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Brauchtumserscheinungen Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumserscheinungen im griechischen Jahreslauf und ihre Beziehungen zum Volkstheater : theaterwissenschaftlich-volkskundliche Querschnittstudien zur südbalkan-mediterranen Volkskultur
Entstehung
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zu ihm kamen. Die steigende Mobilität des Zuschauers hingegen entspricht einer Bedeu-tungsverschiebung der Wirklichkeiten: Theater( als temporäre Nebenwirklichkeit) trittin die Machtposition, die Umverteilung der Kraft"( Sammelumzug) ist durch Exklusivi-tät gekennzeichnet; die Teilhabe am Geschehen ist nicht mehr selbstverständlich. 12

Die Nachzeichnung einer fiktiven Theaterentwicklung am realen Faktenmaterialder dazu geeigneten Passagen des Jahreslaufbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Jahreslaufbrauchtums und die Gliederung nach einemprogressiven Anreicherungsprozeß an eine Grundstruktur( zyklische Prozession), der zurFormierung einer neuen Struktur( interaktives Rollengeflecht) führt, wirft Methoden-und Darstellungsprobleme auf, wie sie in der Volkskunde sonst eher unüblich sind. 18

Die Durchdringung der Kulturtotalität erfolgt hier nicht nach Jahreslauf und Fest-kalender, nach Brauchlandschaften oder kulturhistorischen Zusammenhängen, sondernnach strukturellen Kriterien zur Prüfung eines hypothetischen Entwicklungsmodells. DieKulturdaten wurden nicht historisch- sukzessiv aufgefächert, sondern als Simultanphäno-mene mit gleichem Stellenwert zur Komparation zusammengestellt und nach dem theti-schen Entwicklungsgang geordnet. Die überschaubare Teilhomogenität der vorliegendenKulturzonen und das relativ schmale Zeitband, in dem die überwiegende Mehrzahl derQuellen datieren( 1880-1920) läßt ein solches Vorgehen legitim erscheinen. Die Dis-paratheit der Phänomene im potentiellen Vorfeld von Theater zwingt zu einem relativhohen Abstraktionsniveau( Strukturkriterien), um die Vielfalt der Erscheinungen darun-ter subsumieren zu können, und zur Materialselektion( Sammelumzug im Jahreslauf-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum), um zunächst einmal einen hypothetischen Entwicklungsstrang exemplifizie-ren zu können. Es ist überdies vorweg anzunehmen, daß nicht überall die gleichen Ent-wicklungsdynamiken mit gleicher Intensität und Häufigkeit zur Konstituierung vonTheater geführt haben, so daß es zur Festlegung des kulturtopologischen Fundaments desEuropäischen Volkstheaters und damit zur Klärung vieler dunkler Fragen der Theater-geschichte noch ein weiter Weg zu sein scheint. Auch in diesem Sinne versteht sich dieStudie als ein Anfang. 14

12 Van der Leeuw hat dieser Beziehung der Prozession zur Macht"-Zirkulation großeAufmerksamkeit geschenkt( 1956: 425 f.): Die Prozession endlich ist ein elementarerTanz und bezweckt die Mobilisation der Kultgemeinde, d. h. des heiligen Gemeinen, die Aktivie-rung der Macht. Jede Prozession ist gleichsam Sakramentsprozession, indem sie ein Heiliges inBewegung setzt und seine Mächtigkeit über einen gewissen Umkreis verbreitet./ Die Prozessionist grundsätzlich ein Umgang, es sei, daß sie durch das Dorf, die Stadt herumzieht, es sei, daß sieum einen Gegenstand, einen Acker, ein Haus usw. einen faktischen Kreis zieht. Sie beschränktund konzentriert Kraft, andererseits kann sie unheilvollen Kräften wehren. Bei den in ge-gebenen Jahreszeiten veranstalteten Umgängen besteht das in Umlauf gebrachte Machtobjekt innichts anderem als in Gaben, die man erbittet und die, einmal in Verwahrung, Früchte bringensollen." Damit sind schon wesentliche Punkte der Finalität des Sammelumzuges vorweggenom-men, doch wird es der Materialevidenz überlassen bleiben, diese Aussagen zu verifizieren oder zufalsifizieren.

13 Gerade auf dem Gebiet der Brauchforschung sind aber in den letzten Jahren bedeutendemethodische Fortschritte erzielt worden, die den vorliegenden Ansatz in Zusammenhang mit ande-ren Bemühungen stellen, welche von den einfachen Jahreslauf- Kaleidoskopen entscheidend ab-weichen: so die Erklärung des Brauches aus dem gesellschaftlichen Bezugssystem bei I. Weber-Kellermann( Erntebrauch in der ländlichen Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts, Marburg1965), Kretzenbachers internationale Analogiestudien zu Bild- und Brauchmotiven( 1959,1966), der Methodenpluralismus in der Analyse des Hochzeitsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Hochzeitsbrauchtums bei D. Dünninger( Wegsperre und Lösung. Berlin 1967). Einen strukturalistischen Ansatz wendet F. Sieber inder Komparation von Formen des Todaustragens an( Deutsch- slawische Beziehungen in Früh-lingsbräuchen. Berlin 1968), als Handlungssystem erfaßt Gerndt( 1973) den Kärntner Vier-bergelauf. Im Rahmen dieser strukturalistischen, funktionalistischen, systemtheoretischen undmethodenpluralistischen Ansätze überschreitet auch der vorliegende Ansatz einer theatrogenenStrukturentwicklung die übliche volkskundliche Methodik und Systematik.

14 Damit ist die von Schmidt( 1962) getroffene Gliederung des Volksschauspiels( spiel-hafter Brauch ortsfester Art, Umzugsspiel, Prozessionsspiel, Stubenspiel, Großspiel, Truppenspiel,

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