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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Seine später stark ausgeschmückte Vita war in mehreren Versionen in Ost- undWestkirche weit verbreitet und wurde literarisch, auch dramatisch, oftmalsbearbeitet 22); nach einer der späteren Varianten, wie sie etwa auch in der ,, Legendaaurea" niedergelegt ist, verließ er in der Hochzeitsnacht seine Braut und kam als Pil-ger nach Edessa, der mit dem Abgar- Bild verknüpften Stadt im nördlichen Mesopo-tamien 23), wo er 17 Jahre als Einsiedler lebte. Nach seiner Rückkehr nach Rom weil-te er unerkannt als Bettler unter der Treppe seines Vaterhauses bis zu seinem Tode,der erzählerisch besonders reich ausgestattet wurde. Der bildnerische Schmuck derPfarrkirche von Hellmonsödt zeigt nun zwei der wichtigsten Episoden aus dem Le-ben des Heiligen; das Hochaltarbild ex 1758 von Bartolomeo Altomonte 24) stellt ihnin voller Pilgergewandung als jungen Mann vor Augen( Abb. 6), ein neuzeitlichesGlasgemälde hingegen den nach Ansicht der Hagiographen so entscheidenden Au-genblick seines Entschlafens( Abb. 7) in Anwesenheit seiner Angehörigen sowie desPapstes, welcher den Brief in den Händen hält, worin der Sterbende seine Identitätenthüllt; die dem Status seines Vaters entsprechend prunkvoll ausgeführte Treppe,sein individuelles Attribut, bildet den architektonischen Hintergrund.

Übrigens schreibt man dem hl. Alexius außer seinen üblichen Patronaten( Pil-ger, Bettler, Vagabunden, Kranke, Gürtler, gegen Erdbeben, Blitz und Ungewitter)gegendweise auch ein solches gegen Seuchen und Pest zu 25), sodaß meine Vermu-tung hinsichtlich der hl. Regina auch dadurch eine Bestätigung erfahren könnte. In-teressant ist auch ein Vergleich zwischen den bildlichen Darstellungen des hl. Alexi-us in den getrennten Schwesterkirchen des Ostens und des Westens: in der Ostkirchefiguriert er meist als ,, Mann Gottes" im Typ des Prodromos. 26)

Gleichfalls eher selten sind Abbildungen des ,, Heros eponymos" von Gallneu-kirchen( Bezirkshauptmannschaft Urfahr), des hl. Gallus, der in der Volks-kunde vor allem als Terminheiliger mit diversen Arbeitsverboten im Komplex derBräuche um die Herbst- Winter- Wende renommiert ist. 27) Seine ikonographisch,, klassische Darstellung ist jene als Benediktiner, rarer als Abt in pontificalibus,dem ein Bär Holz zuträgt, nachdem ihn der Heilige mit Brot gefüttert und ihm einenDorn aus der Tatze gezogen hatte eine Häufung von in der Erzählforschung be-kannten Elementen und Motiven, zuweilen noch bereichert durch den Zusatz, daßsich der Bär verpflichtete, jene Gegend hinfort zu meiden und zu verschonenSymbol für den Einzug der Zivilisation um das spätere St. Gallen. Und eben in derbeschriebenen Art zeigt den Kulturapostel St. Gallus eine Kirchenfahne in derPfarrkirche von Gallneukirchen. 28)

Am Baukörper der Kirchen selbst gibt es wieder mehrere Prädilektionsstellenfür das Anbringen ikonographisch relevanter Bildwerke; zu ihnen gehören in emi-nentem Maße die Kanzeln. Wurden doch von ihnen aus nicht nur durch das Wortdes Predigers- zumindest bis zum II. Vaticanum-, sondern auch an ihnen ebendurch die oft überreiche Ausstattung mit lehrhaftem Bildmaterial Glaubenswahrhei-ten verkündet.

Und unter diesen jetzt leider immer mehr der Funktion beraubten Stützpunktender homiletischen Arbeit sind es besonders die sogenannten Fischerkan-zeln, die nicht nur wegen ihrer Seltenheit für religiöse Volkskunde und Ikonogra-phie so hervorragend attraktiv erscheinen, sondern auch durch die öfters festzustel-lende, typologisch fundierte Kombination von Altem und Neuem Testament. Diestrifft für die als Beispiel ausgewählte, 1770 hergestellte Kanzel der Pfarrkirche zumhl. Laurentius in Gaspoltshofen gleichfalls zu. 29)

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