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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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schulpflichtigen, aber nur 70 schulbesuchenden Kindern gemeldet. Im Jahre 1872gibt es 84, 1874/75 90, 1879/80 121 und 1884/85 schon 148( 153) schulpflichtigeKinder. Von den 121 eingeschulten Kindern des Jahres 1879/80 kamen aus Prätis85, aus Köppelreith 30 und aus Zeil- Pöllau 6.73)

Zum Schulbesuch vermerkt der Chronist, man könne ihn im allgemeinen als,, genügend" bezeichnen. ,, Die Maßregeln, welche zur Förderung eines guten Schul-besuches ergriffen wurden, bestanden in der genauen Evidenzhaltung der schul-pflichtigen Kinder, der gewissenhaften Ausweisung der Schulversäumnisse und derraschen Behandlung strafbarer Versäumnisse. Andere zur Hebung des Schulbesu-ches, namentlich in der Sommerszeit ergriffene Maßnahmen waren die Einführungdes Halbtagunterrichtes und seit 1885 des alternierenden Ganztagunterrichtes, beiwelch' letzterem die Kinder der Ober- und Untergruppe nur dreimal( statt sechsmal)zur Schule kommen brauchen." Über die Behandlung der Schulversäumnisse wirdberichtet: ,, Pflichtvergessene oder fahrlässige Eltern bzw. Stellvertreter werden anGeld oder in Ermangelung dessen mit Arrest bestraft. Im Allgemeinen wird jedochmit großer Nachsicht und Milde vorgegangen, was freilich zur Folge hat, daß derSchulbesuch darunter leidet. Unentschuldigte Absenzen sind mehr verzeichnet alsentschuldigte". 74)

Diese knappen Berichte lassen zumindest die Schwierigkeiten erahnen, die sichzur Zeit unserer alten Prätiser Schule einem geregelten Schulbetrieb noch entgegen-stellten. Offenbar gab man sich mit durchschnittlichen Ergebnissen zufrieden, ohneaufgrund der Gesetzeslage gleich nach dem Richter zu rufen. Das Schuljahr dauertein der Regel von Mitte Oktober bis Ende August, und die Ferien waren nach heuti-gen Maßstäben knapp bemessen. So galten als Ferientage: Die Sonn- und gebotenenFeiertage, die Tage vom 24. Dezember bis 1. Jänner, die Tage vom Mittwoch in derKarwoche bis einschließlich Dienstag nach Ostern, der Samstag vor und der Diens-tag nach dem Pfingstfest, der 18. August zur Feier des Geburtstagsfestes des Kai-sers, der 2. November, der 19. November als Namenstag der Kaiserin, der ersteMontag im Monat Mai als Ausflugstag- er wurde bei Schlechtwetter auf den zwei-ten Montag im Mai verlegt eine weitere Verlegung war unstatthaft. Die Hauptfe-rien dauerten sechs Wochen. Sie begannen am 1. September und endeten mit 15.Oktober. Mit Verordnung des k. k. Landesschulrates vom 3. August 1876, Z. 5019,wurden die Ferientage während des Schuljahres geregelt. 75)

Im II. Teil der Chronik werden aus der Sicht eines Prätiser Schulmeisters dasJahr 1869 und die fernere Zeit besprochen. Der Chronist schreibt: ,, Wirklich epo-chemachend ist das Jahr 1869, in welchem die neue Organisation des Schulwesensvorgenommen wurde. Bislang bestanden neben Haupt- und Trivialschulen nur soge-nannte Pfarr- und Gemeindeschulen auf dem Lande, die theilweise oder ganz in denerbärmlichsten Verhältnissen sich befanden.

Da kam das Jahr 1869 und eine andere Zeit brach herein: allerorten wurde dasSchulwesen gehoben. Über die segensreiche Tragweite der neuen Schulgesetze zusprechen wäre müssig... Mit dem Inslebentreten des R. V. Sch. Gesetzes wurde dieSchule Prätis zu einer, 1. kl. Volksschule' erhoben". 76)

Es sollte aber noch elf Jahre dauern, bis die schlechten Schulraumverhältnissedurch den Neubau einer Schule beendet wurden und die alte Haarstube beim Schie-ster wieder vereinsamte, um bald danach als Wohnhaus adaptiert zu werden.

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