Der Segen der Welt ist gebildete Menschlichkeit.
Pestalozzi
Die alte Schule aus Prätis im Österreichischen Freilichtmuseum
Von Viktor Herbert Pöttler
Bei der Erstellung meines Konzeptes für das Österreichische Freilichtmuseumin den Jahren 1961/62 wagte ich kaum zu hoffen, noch ein altes Schulhaus zu fin-den, um der Nachwelt ein Bild aus den Anfängen unseres Schulwesens auf dem Lan-de zu bewahren, wie es uns Peter Rosegger aus den ,, Schriften des Waldschulmei-sters" erahnen läßt.¹)
Mir wäre selbstverständlich in einem gesamtösterreichischen Freilichtmuseumjede brauchbare Schule aus einem österreichischen Bundesland willkommen gewe-sen, doch gab es kaum eine Wahl. Die Bemühungen um ein steirisches Schulmuseumin den sechziger Jahren blieben leider ohne bleibenden Erfolg. Sie konzentriertensich im wesentlichen auf die Sammlung von altem Schulinventar und versäumten diesystematische Erkundung alter Schulräume. Mein stetes Interesse an einer altenSchule war indessen durch den steirischen Versuch nur bestärkt worden. Durch dieumfangreichen Aufgaben beim Aufbau des Österreichischen Freilichtmuseums vollausgelastet, konnte ich mein ,, schulisches Vorhaben" vorerst aber nicht mit demnötigen Einsatz betreiben. Die mir vereinzelt genannten alten Schulgebäude erwie-sen sich bei näherer Betrachtung alle als ungeeignet. So blieb denn mein Wunsch,das Österreichische Freilichtmuseum durch eine alte Bauernschule zu bereichern,fürs erste unerfüllt, doch nicht erloschen. Meine Beharrlichkeit, als gelernter Schul-mann dem alten ,, Schulmeister" ein bleibendes und ehrendes Denkmal zu setzen,sollte indessen nicht unbelohnt bleiben. Anläßlich einer Vortragsreihe in der GrazerUrania zum Thema Bauernhaus habe ich im Dezember 1976 auch über meine ver-geblichen Bemühungen um ein altes Schulhaus berichtet und erhielt aus den Reihenmeiner Zuhörer den entscheidenden Hinweis.²)
Schon am 17. Dezember war ich in Prätis, um an Ort und Stelle das angeblichealte Schulhaus beim Gehöft ,, Schiester" in Prätis Nr. 63 zu besichtigen. MeineÜberraschung, ein mir seit über zwanzig Jahren bekanntes kleines bäuerlichesWohnhaus als ehemalige Haarstube und alte Schule von Prätis vorgestellt zu be-kommen, war berechtigt und entsprechend groß. Man ziehe daraus die Lehre für dievolkskundliche Feldforschung, daß der Kreis der Befragten und die Intensität derBefragung nie groß genug sein kann. Das erste Gespräch mit dem BesitzerehepaarFriedrich und Maria Prinz verlief grundsätzlich positiv, und die Bereitsschaft, diealte Schule dem Österreichischen Freilichtmuseum zu überlassen, war erkennbar.Am 14. Feber 1977 konnte ich in einem zweiten, klärenden Gespräch den Kaufpreisfestlegen und eine bindende Zusage erhalten, so daß am 16. März 1977 die Aufnah-me des Objektes möglich war. Schon am 9. Mai fing ich mit dem Abbau der Schulean, Ende Oktober wurde im Österreichischen Freilichtmuseum über der Kapelle
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