Sozial- ökonomische Aspekte der Gasthaus- Archäologie
Ein methodischer Versuch
Von Richard Pittioni
In der Erforschung der mittelalterlichen und der frühneuzeitlichen Keramikkann man drei Perioden unterscheiden: Den Beginn, der besonders mit dem Namenvon A. Walcher von Molthein verbunden ist, mit einer von der kunstgewerblichenBetrachtungsweise ausgehenden Untersuchung von qualitätsmäßig hervorragendenEinzelstücken und einer damit verbundenen Würdigung der auf solchen Keramikenangebrachten Töpfermarken in ihrer Aussagefähigkeit für das Erfassen speziellerWerkstättenbereiche.¹)
War A. Walcher von Molthein auch noch um eine zeitliche Fixierung bestimm-ter keramischer Formen bemüht, und zeigten sich ähnliche Orientierungen bei demum die Erforschung der Gebrauchsware so verdienten F. Wiesinger ²), so gab es zuderen Zeit doch noch zu wenig brauchbare Anhaltspunkte für eine chronologischeBestimmung der als Eisentonware zusammengefaßten spätmittelalterlichen undfrühneuzeitlichen Erzeugnisse. So richtete man in der zweiten Forschungsperiodevorwiegend die Aufmerksamkeit auf jene Gefäße, die als Behälter von Münz-Verwahrungen verwendet worden waren. Durch die Zusammenarbeit von Numis-matik und Bodenforschung konnten so schon in der Zeit nach dem ersten Weltkriegrecht brauchbare Ergebnisse erzielt werden. Nach weiteren Beiträgen von E.Beninger 3) hat dann die von der volkskundlichen Sicht ausgehende Zusammenstel-lung von H. Steininger 4) ein beachtlich reiches Material gebracht. Damit wurdenicht bloß die chronologische Seite der Keramikforschung gefördert, sondern einsehr wesentlicher Beitrag zur Formenkunde der als Münztöpfe verwendeten Waregeleistet.
Derartige formenkundliche Beurteilungen bezogen sich allerdings fast aus-schließlich auf das äußere Erscheinungsbild dieses Materials, aber nicht darauf, wel-chen Zwecken sie vor ihrer Deposition gedient haben, noch weniger jedoch auf dieFrage, welchem ökonomischen Bereich sie entnommen wurden. In dieser drittenForschungsperiode stand daher die rein formenkundliche Betrachtung im Vorder-grund, um damit auch Anhaltspunkte für die zeitliche Zuordnung von weiteremFundmaterial zu erhalten, das nur über den typologischen Vergleich datiert werdenkonnte. Solche Bestrebungen wurden durch Bodenaufschlüsse unterstützt, diedurch den Nachweis mehrerer aufeinander folgender Schichten noch eine zusätzli-che relativchronologische Beurteilung ermöglichten. Die Untersuchung des Haus-berges in Gaiselberg, NÖ., darf hiefür als ein lehrreiches Beispiel genannt werden. 5)In Ergänzung dazu konnte aber auch noch gezeigt werden, daß es Fälle gibt, in de-nen das Fundgut mit datierten historischen Ereignissen verbunden werden kann'),woraus sich genaue termini ad quos ableiten lassen. Insgesamt hat also die Erfor-schung der spätmittelalterlichen und der frühneuzeitlichen Keramik- nicht nur in
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