Aus Schwarz wird Weiß
Zu einem Gnadensinnzeichen als Legendentopos
Von Leopold K retzenbacher
Mein Freund Franz C. Lipp und ich, wir hatten schon in der 2. Hälfte derZwanzigerjahre gemeinsam ein geistliches Gymnasium besucht. Er hat es dann frei-willig vor mir verlassen. Mir gab man später ein consilium abeundi, nicht ohneGrund, wie ich gestehe, auch nicht ohne Vorteil für mich. Der Dank für eine ent-scheidend prägende humanistische Grundausbildung bleibt ungeschmälert. Gründli-che Kenntnisse im Latein, im Griechischen, in der Liturgie mit Orationen und Anti-phonen, selbstverständlich im lateinischen Wortlaut erlernt( und behalten!), dasDauererlebnis von Hymnensang und Kirchenlied, Bilderbetrachten und Legenden-hören in ständiger ,, Katechese". Was dies für mich bedeuten sollte, habe ich frühim Vergleich mit dem von meiner tieffrommen liebenden Mutter reich Überkomme-nen schätzen gelernt, dazu beim Studium der Volkskunde gemeinsam mit F. C.Lipp bei Viktor von Gera m b in Graz, nicht minder im nunmehr jahrzehnte-langen Umgang mit sogenannter ,, geistlicher Volksdichtung" zumal in der Feldfor-schung.
So blieb mir auch vom Gymnasium her das Legendenthema vom Teuflisch-Schwarzen, das per miraculum zum Engel- Weißen wird. Es gilt z. B. auch für eineim Mühlviertel wie in der heimatlichen Süd- Steiermark wieder abgefragte Legendevom schwer mit Sünde Beladenen, der nach Rom gezogen war, vom Papst trotzReue und Beichte die Absolution nicht hatte erhalten können, von ihm aber einschwarzes Schaf aufgeladen bekam, es büßend in die ferne Heimat zu tragen. Derreuige Sünder nimmt diese schwere Buße auf sich, weint bittere Tränen über seinenichtvergebene Schuld. Diese Tränen aber waschen nach und nach das schwarzeSchaf so weiß, daß dem Heimgekehrten damit die wiedererlangte Gnade allen sicht-bar angezeigt war.
Diese auch zu St. Georgen a. d. Stiefing in meinem Heimatbezirk Leibnitz inder Steiermark aufgezeichnete, von mir mitgeteilte und von anderen verwendeteLegende¹) von der Heilswirksamkeit der Tränenreue wie der Frucht der schwerenBuße in perseverantia hat ihren Nährgrund ganz offenkundig in katechetischer Ab-sicht mittelalterlicher Poenitentialpraxis zur Seelenführung.
Ein auffallend frühes Beispiel der in Reue erbetenen und im Sinnzeichen desSchwarz zu Weiß erlangten Erlösung begegnet in einem Codex der alten St. Peters-burger Bibliothek mit Legenden- und Mirakelaufzeichnungen um ,, St. Gregorius"im 10./11. Jahrhundert²):
Fertur et aliud miraculum sci gregorii. Nam cum ipse esset die Dominico solusorans in quodam loco apparuit ei quidam Ethiops niger. Quem cum interroga-ret Gregorius. Quis es. Respondit. De habitatoribus inferni ego sum. Dixit ei
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