Die Hauslandschaften Niederösterreichs
Von Adalbert Klaar
Kein Bundesland umfaßt eine solche Fülle wechselnder Hauslandschaften wieNiederösterreich. Geographisch werden die Hauptgebiete durch die Donau geteilt.Nördlich des Stromes liegen das Wein- und das Waldviertel. Ihre breite Grenze ver-läuft entlang des Manhartsberges zwischen den Flüssen Kamp und Schmieda. Süd-lich der Donau trennt der keilförmige Alpenzug die beiden Viertel Ober und Unterdem Wienerwald. Ihr Ende liegt am Greifensteiner Sporn nächst Klosterneuburg-Wien.
Die Bauernhaustypen strahlen von Niederösterreich in die umgebenden Nach-barländer aus, bzw. werden von diesen beeinflußt. Die heute noch mangelhafte,technisch ausgerichtete Bautenforschung hat noch immer nicht die vielfältige Palet-te der Haupt- und Mischformen volkskundlich erfaßt. Dies ist ein großer Mangel,da in unserer Zeit durch die immer stärker werdende Industrialisierung der Bauwirt-schaft die traditionellen Bauweisen verwischt und allmählich aufgelöst werden.
Im Oberen Wienerwald- Viertel herrscht von der Ennsgrenze bis ins Mündungs-gebiet von Url und Ybbs der stattliche, zweigeschossige Vierkanthof. Er ist um einenregelmäßigen Vierseithof geschlossen errichtet und einheitlich überdacht. Vier Bau-ten: das Wohnhaus, die Scheune, Stallungen und Schupfen umgeben- an denEcken geschlossen diesen Hof. Das drei- bis fünfteilige Wohnhaus hat in seinemMittelteil das sogenannte ,, durchgängige Flurhaus" mit Haus- und Hoftür. In derRegel liegt dem Wohnhaustrakt die Scheune mit zwei und mehr Tennen gegenüber.Beiderseits dieser Trakte- schmäler als sie werden der Pferdestall mit Hof-einfahrt und ihm gegenüber der Rinderstall errichtet. Beiderseits der Tennen imScheunenteil.werden mit Toren zugänglich das Preẞhaus für Obst, gegenüberdem Preẞhaus mit dem Rinderstall verbunden- die Grünfutterkammer unterge-bracht. Häufig wird der Roẞstall neben den Küchenteil des Wohnhauses angebaut.Diese Hauseinteilung kann über Oberösterreich hinaus bis Bayern beobachtet wer-den. Es ist eine Reliktform, welche die Bedeutung des Pferdes( Rosses) andeutet.
Das Obergeschoß des Vierkanters ist in Wohnräume und Speicher eingeteilt.Die zeitliche Entstehung dieser Großform des Bauernhofes hat Eduard Kriechbaum( Braunau/ Inn) auf Grund alter Bilder in das 16. Jahrhundert gedeutet. Die bestennoch bestehenden Beispiele werden vom 18. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhun-derts angetroffen. Vielfache Varianten dieser Type gehen vom Kerngebiet umKremsmünster, Oberösterreich, teils in das Voralpengebiet, teils in das Mühl- undWaldviertel über.
Alpine Einflüsse auf Hofformen sind abwechslungsreich in der Flyschzone derNordabdachung der Alpen bis zum Kaumberger Sattel von der Gölsen bis zur Trai-sen zu finden.
207