Bauernhausverzierung
-Stadelmalerei
bemalte Holzarchitektur
Zur Geschichte eines Materials aus dem Innviertel
Von Eugenie Hanreich
Wenn ich heute an diesem Material arbeite, so steht mir immer eine Szene mei-ner Kindheit vor Augen: Hofrat F. Lipp, der mit meiner Mutter vor den ausgebreite-ten Zeichnungen in unserer Bibliothek steht und ganz begeistert ausruft: ,, Darübermuß ich arbeiten". Nun sind seither zwanzig Jahre vergangen und er hatte leider niegenug Zeit, dieses Material zu bearbeiten. Aber dieser Eindruck, den diese Szenenauf mich machten, hat wesentlich dazu beigetragen, daß ich mich entschloß, Volks-kunde zu studieren.
Aber warum habe ich für meine Dissertation dieses Material zur Bearbeitungausgewählt? Am besten läßt sich das mit dem Spruch ,, Was Du ererbt von deinenVätern, erwirb es, um es zu besitzen" erklären, denn mein Großvater BernhardLudwig d. J. hat Hugo von Preen beauftragt, seine Zeichnungen zu kopieren, under hat den Leiter seines Zeichenbüros Wilhelm Berkan zwei Sommer ausgesandt, umdieses Material mit Material aus dem unteren Innviertel und dem Rottal zu ergän-
zen.
Woraus besteht nun dieses Material und wie ist es überhaupt zustande ge-kommen?
Es handelt sich um Zeichnungen, und zwar hauptsächlich um Detailzeichnun-gen der Bemalung an den Holzhäusern des oberen und unteren Innviertels, die Hugovon Preen und Wilhelm Berkan in der Zeit von 1884 bis 1934 gemacht ha-ben.
Ein Großteil sind Tuschzeichnungen, die koloriert wurden, aber auch einigeKohlezeichnungen und Aquarelle sind darunter. Die Arbeitsmethode der beidenZeichner läßt sich an Hand einiger Skizzen ausgezeichnet rekonstruieren. Es wurdenzuerst Bleistiftzeichnungen angefertigt, die einzelnen Teile mit Farbbezeichnungenund fallweise mit Maßen versehen und diese Skizzen wurden dann im Büro bzw. imAtelier als Vorlagen für die genaue Ausführung in Tusche und Aquarell genommen.Von Wilhelm Berkan stammen fünfundneunzig exakt gezeichnete undschön ausgeführte Blätter- man merkt daran seine Ausbildung im Architektur-büro und zahlreiche Photographien.
Hugo von Preens Werk ist von 1 bis 172 numeriert, wobei 18 Nummern inder Sammlung nicht aufscheinen und 7 Nummern doppelt verwendet wurden, d. h.daẞ 159 Zeichnungen Hugo von Preens tatsächlich in der Sammlung Bernhard Lud-wig existieren. Davon sind acht Gesamtansichten einzelner Höfe und neun Teilan-
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