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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
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Mittwinterbräuche im Gebiete der Eisenwurzen

Ein Beitrag zur Berchtenforschung

Von Karl Haiding

In meinem Aufsatz ,, Berchtenbräuche im steirischen Ennsbereich" ¹) habe ichnach dem Berichte der damals nicht namentlich genannten Holzknechtswitwe Bar-bara Nachbagauer( geboren 1887 in Mooslandl, Gerichtsbezirk St. Gallen) das Auf-treten der Habergeiß erwähnt. Neben dem ,, Herrn Niglo" kam eine ,, Frau Niglo",die Gaben, wie Dörrobst austeilte, die sie in einem Buckelkorbe mittrug. Die Haber-geiß schnappte aber danach zum Mißvergnügen der Kinder, die sich schon auf denSchmaus gefreut hatten. ,, Jetzt hab'm mir g'schrian", erzählte die Greisin aus ihrerKindheitserinnerung ,,, weil uns load is g'wesen( um das), was de austoalt hat." Diegleiche Gewährsfrau berichtete auch von einem anderen unvergeßlichen Eindruckihrer Kindheitstage. Am Thomasabend traten drei ,, Thomasniglon" durch dieHaustür ins Vorhaus. Sie waren ganz weiß gekleidet, hatten das Gesicht verhüllt,trugen am Leibe Schellen und brachten einen ,, brennenden Hiefler" herein. Hieflerheißt bekanntlich eine Tragstange, die in den Boden gerammt wird und auf der Graszum Trocknen aufgeschöbert wird. In früheren Zeiten trocknete man darauf auch inGarben das mit der Sichel geschnittene Getreide. Um den Halmen einen Halt zu ge-ben, werden auf dem Fichtenstamme entweder kurze Aststummeln belassen oderkreuzweise kurze Sprossen eingesetzt. 2) Auf dem Hiefler des Thomasabends abertrug jeder Sproẞ eine brennende Kerze!

Es bestand für mich wenig Hoffnung, einmal Zeit zu finden, um diesem, imvolkskundlichen Schrifttum nicht beachteten Brauch nachzugehen und ihn auchnoch aus eigener Anschauung kennenzulernen. Unverhofft ergab sich nach fast an-derthalb Jahrzehnten doch die Gelegenheit hiezu. Dank der Aufgeschlossenheit desHerrn Medizinalrates Dr. Siegfried Moser konnte ich im Jahre 1976 den Thomas-abend in Gams bei Hieflau erleben, wo Bräuche vom Vorabend des Nikolaustagesund des Thomasabends teilweise ineinander übergegangen sind.

In einem Bauernhause auf dem ,, Kogl" versammeln sich am Nachmittag des21. Dezembers Darsteller der Umzugsgestalten und legen ihre Masken an. Drei weißgekleidete ,, Thomasniglon", deren einer ein Fichtenstämmchen, hier ,, brennenderHiefler" genannt, trägt. Der Hiefler ist mit Kerzen besteckt, die jeweils vor dem Be-treten eines Hauses angezündet und nach dem Verlassen wieder gelöscht werden. Zuihnen gesellt sich die auch am Nikolausabend umgehende ,, Niglofrau". Ebenfallsvom Nikoloabend übernommen sind die drei gehörnten ,, Rauchn", auch ,, Niglon"genannt, einer weiß, einer rot und einer schwarz, im Pelzgewande und Schellen tra-gend. Wie die Thomasniglon nur am Thomasabend, geht die ,, Hutzn", in Felle ge-kleidet und mit einem auffallenden, langen hölzernen Schnabel. Der Träger derMaske richtet sich nur unterwegs auf, beim Eintritt in ein Haus kauert er sich jedoch

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