chen beim ,, Gaßl- gehen" in einer ganz bestimmten Form statt. Aus Ober-Österreich 66) wird der Brauch ähnlich geschildert wie aus dem Pinzgau. 67) Könnendie Gaẞler ihre Mädchen mit ihren Sprüchen und Reden( mit verstellter Stimme)überzeugen, finden sich die Mädchen bereit, die Fenster zu öffnen, und es kommtein richtiger ,, Hoagascht", also ein geselliges Gespräch, in Gang.
Die Gewährsleute aus Altmünster- Gmundnerberg und Reindlmühl verbindenmit der Erinnerung daran ein kleines Schmunzeln. Die derben bäuerlichen Gaẞl-sprüche, die oft an Deutlichkeit nichts fehlen ließen, und die Folgen der nächtlichenZusammenkünfte machten wohl Verbote nötig, die uns in Polizeiordnungen und Er-lässen erhalten blieben. 68) Eine Handschrift des 18. Jahrhunderts aus Tirol behan-delt ,, das verbottene nächtliche haingarten und gässl- gehen.'69) Deshalb wird in ei-ner alten Polizeiordnung ,, die leichtfertige Zusammenkunfft der Manns- undWeibspersonen Glossar ::: zum Glossareintrag Weibspersonen als an den Feyr- Nächten und Nacht- Heingarten verboten." 70)
An diesen Abenden konnte ein Bursch beweisen, wie geschickt er in der Abwehrwar, aber auch wie flink im Angriff, wenn es ums ,, Stockschlagen" ,, Finger-haggeln" oder Schuhplatteln ging. Die ,, Rieder- Paẞ" pflegte einen ,, extrigenTanz". 71)
Und was sie nicht sagen konnten, bekundeten ihre Lieder, Jodler und Juchzer.In den durchaus musikalischen Familien des Salzkammergutes gab und gibt es Fa-milien mit genug begabten Mitgliedern, daß sie eine eigene ,, Paẞ" bilden können.Dann sitzen z. B. die Bläser auf der Hausbank und üben ihre einfachen Weisen. Be-liebt ist bis heute noch das ,, Echoblasen", der Widerhall von den Bergen.72) Nochnach dem Krieg wurden von der ,, Rieder- Paßẞ", die auch im Hochzeits- und Jahres-brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag brauchtum aktiv mitwirkt, diese echten volkstümlichen Traditionen geübt. In derGegend Reindlmühl- Aurachtal hat es am Waldrand eine Bank gegeben, dort ver-sammelten sich einige Flügelhornbläser. Bis in die Nacht hinein musizierten sie mit-einander. Auf den Höfen ringsum saßen auf ihren Hausbänken jung und alt undlauschten den Klängen. Besonders feierlich klang es in der Neujahrsnacht.7³).
Viele der Einkerbungen in den ,, Hoagartenbänken" könnten von Lieb undLeid erzählen- doch meint der Gewährsmann, aus dem ,, Hoagascht sind durchausdauerhafte ernste Bindungen fürs Leben entstanden".
Wie bedeutend der Begriff war, geht daraus hervor, daß der bedeutende ober-österreichische Mundartdichter Franz Stelzhamer einen Band seiner schriftdeut-schen Gedichte ,, Heimgarten“ nannte, die er 1847 verfaßte. 74) Und kein Geringererals der Heimatdichter Peter Rosegger nannte seine Zeitschrift, die ab 1. Oktober1876 erschien, auch ,, Heimgarten". Mit ihr sollte die poetische Volksüberlieferungerhalten bleiben. Sein Kreis von Mitarbeitern und seine Leser bildeten eine geistigeGemeinde. 75)
1948-1950 erschien das ,, Österreichische Volksliederbuch" von Georg Kotekund Raimund Zoder in drei kleinen Bändchen unter den Namen: 1. Stimme der Hei-mat, 2. Im Heimgarten, 3. Stille Stunden. In ihrem Vorwort zum Bändchen ,, ImHeimgarten" bekannten sich die beiden Sammler zu der großen Bedeutung der ge-selligen Einrichtung des Heimgarten- gehens. Für diesen gibt es keinen bestimmtenOrt, im Winter die große Stube, im Sommer der Bretterzaun oder die Hausbank.Dankbar haben viele Volksliedsammler die Bereicherung ihrer Sammlungen im bäu-erlichen Heimgarten gefunden.
So ist die Hausbank als Teil des Hauses auch Teil des gesamten menschlichenLebens, von der Kindheit bis ins Alter.
128