Die Hausbank
Beobachtungen zu einem unscheinbaren Möbel
Von Helene Grünn
In einem landschaftlich besonders schönen Teil Oberösterreichs, auf demGmundnerberg, etwa 810 m hoch über dem Traunsee, mit der malerischen Bergket-tenumrahmung von Höllengebirge und Traunstein und dem Blick in die Viechtau,haben wir einen Platz für unser Haus gefunden. Dieses sollte sich als ein neues, un-seren Lebensformen gerechtes, doch den althergebrachten Bauwerken wie ein Gliedin einer Kette bescheiden eingliedern. Wir fuhren kreuz und quer und studierten dieFormen. Nun duckt sich heute am Hang, etwas abwärts von der Straße weggerückt,mit einem Giebelwalmdach und kleinen Fenstern ein ,, durchgangiges" Haus.
Erst später spürten wir, es fehlt noch etwas: die Hausbank; sozusagen die Ein-ladung zum ,, Weilen und Rasten". ¹) Wieder unternahmen wir unsere Wanderun-gen, um in unserer weiteren und engeren Umgebung die ,, Hausbank" aufzuspüren.In Altmünster, Traunkirchen, Mühlbach, auf dem Grasberg, Reindlmühl, Gmund-nerberg, Hessenberg, Eben, Neukirchen, Baumgarten, Gschwandt, in Pettenbach,Vorchdorf, Voitsdorf, Ried- überall fanden wir einladende Bänke vor dem Haus,meist neben der Eingangstüre. Die knappe, durchaus nicht vollständige Nennungmag bestätigen, daß zu den Wohngewohnheiten des Salzkammergutes und seinerUmgebung die Bank vor dem Haus gehört. Darüber hinaus findet sich die Einrich-tung einer Hausbank in weiten Teilen Oberösterreichs. 2) Die Hausbank ist ein Be-standteil vieler Bauernhäuser, wie etwa auch der Brunnen vor dem Haus.³) Sie ist je-doch nicht ganz selbstverständlich bei allen Haustypen. 4) Wie etwa im niederöster-reichischen Waldviertel und Teilen des Burgenlandes. 5)
Die Hausbank, auch ,, Benk", ist, wie ihr Name sagt, alt. Im Althochdeutschenwar das Wort ,, panch", im Mittelhochdeutschen ,, banc" dafür gebräuchlich. 6) DieBank besteht aus einer rechteckigen Platte, die von vier Stützen getragen wird undoft mit einer Rückenlehne versehen ist. 7) Die Bezeichnung bedeutet auch Stütze oderUnterstützung und wird in dieser Funktion auch zum Namen einigerArbeitsgeräte.) Im oberösterreichischen Dialekt hat sich die Bezeichnung ,, Benk"bis heute erhalten. Der Begriff der Hausbank ist so selbstverständlich, daßman sie in Untersuchungen über Bauernhäuser wohl einzeichnete, doch weiternichts über sie ausführte. Sie nimmt eben eine Sonderstellung ein. Als Sitzgerät oderals Sitzmöbel ist sie aus dem Wohnbereich hinausgerückt( obwohl sie den Stuben-möbeln gleichen kann). Sie wird möglichst innerhalb der Dachtraufe, innerhalb derGrenze des häuslichen Schutzbereiches aufgestellt. 9) So gehört sie mehr dem Hausan als dem Innenbereich des Wohnens.
Die feste Bank der einfachsten Form ist die ohne Lehne mit einem kurzen Sitz-brett, in das vier Stützen( ,, Stiedeln") eingestemmt sind, die fest in die Erde einge-rammt werden. An die Mauer angerückt, steht sie meist neben dem Hauseingang.
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