Knechte"(= Untertanen) dieser Kirche ,, samt ihren Feldern und Fischereiplätzen,welche sie bisher gemeinsam mit dem übrigen Volk besaßen", nun der Abtei zuge-hören, und wären diese Untertanen, insgesamt 140 ,,, Hausvolk".
Der Begriff ,, Hausvolk" im lateinischen Urtext: mansio- ist für die Fische-rei in Ungarn, als sie nach feudal- ökonomischen Grundsätzen organisiert war, vongroßer Bedeutung; man vergleiche dazu die fischereiberechtigten ,, Häuser" amMondsee. Herman bringt urkundliche Belege ab dem 12./13. Jahrhundert, aus de-nen er den Begriff von ,, mansio" als eine familienrechtlich und arbeitsteilig organi-sierte Mannschaft zur Handhabung eines Zugnetzes herausarbeitete. 10) Eine solcheArbeitsgemeinschaft war wie aus den ungarischen Quellen besser ersichtlichgenossenschaftlich organisiert, und zwar in der Form, daß sich die arbeitsfähigenMänner der Fischerfamilien derart zusammenfanden, wie dies das Fischen mit demZugnetz erforderte. Die Zahl und Stärke einer solchen Fischermansion hing ab vomOrt, wo gefischt wurde, aber auch von der Anzahl der Angehörigen der einzelnenFischergeschlechter. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen belegt Herman, daßder arbeitsgemeinschaftliche Begriff von ,, mansio" identisch ist mit der dafür unga-rischen Bezeichnung ,, bokor"(= Busch).( Letzterer Name war am Plattensee üb-lich; von anderen fischbaren Wässern in Ungarn ist auch die Bezeichnung ,, kompá-nia"(= Kompanie) und ,, felekzet"(= Konfession) bekannt.) Die bokor-Mannschaft sei einfach jene Anzahl von Männern, die unbedingt zur Handhabungeines Zugnetzes nötig bzw. dafür gegeben ist, und habe sich diese Institution bei denMagyaren in der Ur- Form bis heute(= Ende des 19. Jahrhunderts) erhalten. Her-man und Jankó sind darin einig, daß die bokor- Mannschaft eine der eigentümlich-sten Erscheinungen des magyarischen Fischerlebens sei. Während Herman dies aberim Sinne eines quasi Urheberrechtes der Magyaren auf das mannschaftliche und ge-nossenschaftlich organisierte Fischen mit dem Zugnetz versteht, sieht sich Jankó aufGrund seiner umfangreichen Vergleichsstudien dazu gezwungen, den Ursprung derFischerei mit dem Zugnetz den slavischen Völkern, und da namentlich den Russenzuzugestehen.( Es ist nicht unwesentlich, zu erwähnen, daß die von Jankó herange-zogene russsische und andere osteuropäische Literatur vorwiegend aus dem19. Jahrhundert stammte.) Auf den großen russischen Strömen- vor allem in de-ren Mündungsgebieten und auf dem russischen Abschnitt der Donau ist die Fi-scherei mit dem Zugnetz und in der Form von genossenschaftlich organisierten Zug-netzmannschaften üblich( cit. Jankó). Solche Fischergemeinschaften sind unter demrussischen Namen ,, artel", aber auch unter anderen Bezeichnungen bekannt; derBegriff Artel umreißt ganz allgemein eine miteinander wohnende und gemeinsameKüche führende Arbeitsgemeinschaft. Die Magyaren wären mit dieser Form der Fi-scherei in der Zeit vor der Landnahme, als sie sich im nordosteuropäischen Raumaufhielten, bekannt geworden, und hätten diese Einrichtung mitgebracht. Die ganzeinnere Gestaltung, die Arbeitsteilung und das Aufteilen des Erwerbes stimmen der-art mit dem russischen Artel überein, daß wir( cit. Jankó), da Analogien weder beiOstjaken noch bei Türken vorkommen, gezwungen sind anzunehmen, daß der ma-gyarische bokor rein slavischen Ursprungs ist. Deshalb sei es auch von der Hand zuweisen, daß der bokor erst nach der Landnahme und auf Beeinflussung durch dasdeutsche Zunftwesen entstanden sei. ¹¹)
Als mit einer weiteren ,, Eigenart" der magyarischen Fischerei beschäftigtensich Herman und Jankó mit dem Begriff der ,, tanya", für welchen ich auf demMondsee sogar eine wortwörtliche Entsprechung gefunden habe. Alles das, was
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