Die Auswirkung der mittelalterlichen Fischereiwirtschaft
auf die traditionelle Fischerei
Von Károly Gaál
Die wenigen und daher umso bemerkenswerteren Beiträge zur Erforschung dertraditionellen Fischerei in Österreich dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß dieÖsterreichische Volkskunde hier ein wichtiges Betätigungsfeld bislang nur unzurei-chend bestellt hat. Auch wenn die Fischerei als ein Faktor der Volkswirtschaft fürÖsterreich heute nur von geringfügigem Belang ist, so sollte doch in einem an fisch-baren Binnenwässern so reichen Land die Bedeutung der traditionellen Fischerei alsein die österreichischen Regionalkulturen mitbestimmender Faktor nicht unter-schätzt werden.- Nicht zuletzt folgte ich jedoch auch einer ganz persönlichen Vor-liebe für die Fischereiforschung, als ich in den Jahren 1970-1972 meine damalsmehrmaligen Aufenthalte im Salzkammergut benützte, mich mit der Fischerei aufdem Mondsee zu beschäftigen.
Nur am Rande, doch aber zur Verdeutlichung des folgenden, seien hier kurz dieheutigen Verhältnisse der Mondsee- Fischerei angemerkt. Die nach dem ZweitenWeltkrieg erfolgte vollkommene Veränderung der sozio- ökonomischen Strukturenbrachte es mit sich, daß der Fischfang auf dem Mondsee zu einer Nebenerwerbstä-tigkeit im Anschluß etwa an einen gastronomischen oder landwirtschaftlichen Be-trieb geworden ist. Der Fischereiberechtigte geht also je nach Bedarf und Zeit gele-gentlich und in der Regel allein zum Fischen; kein Fischer lebt heute mehr von derFischerei. Dementsprechend sind nicht nur die Zahl und die Dimensionen der Fang-geräte kleiner geworden, sondern hat auch die heute weitgehend industrielle Ferti-gung von Fischzeug die einst traditionellen Fischerarbeiten, wie beispielsweise dasNetze knüpfen und die eigene Produktion und Beschaffung der Gerätematerialien,überflüssig gemacht; Netze aus Kunststoff werden heute als Meterware gekauft.Schon vor dem zweiten Weltkrieg ging die Verwendung des Zugnetzes stark zurück,und dieses große Fanggerät hat seither und in der gegenwärtigen Fischerei auf demMondsee überhaupt keine Bedeutung mehr. Seine einst für die Fischwirtschaft signi-fikante Position als fischereiliches Hauptgerät hat das Zugnetz an verschiedene Ar-ten von Stellnetzen abgegeben. Daneben werden noch Netzreusen und vereinzeltLegangeln benutzt. Von den heute gebräuchlichen Geräten auf die früher verwende-ten schließen zu wollen resp. die heutigen Fischfangmethoden als ein Beibehaltenoder gar Pflegen letzter Reste von alten Traditionen anzusehen, wäre mehr als ge-wagt: es wäre dies ein Miẞverständnis von Tradition. Grob umrissen ist Traditiondas ,, allgemein Gebräuchliche", und dieses sowohl als einzelne Kulturerschei-nung wie auch ganze Kulturerscheinungseinheit- verändert sich von Zeit zu Zeit,so wie sich ja auch die gesamte Lebensweise des Menschen in ihren wirtschaftlichen,sozialen und moralischen Strukturen im Laufe der Geschichte immer wieder verän-dert. Eine solche und tiefgehende Veränderung trat also in der Mondsee- Fischereium den Zweiten Weltkrieg ein.
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