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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Eine Haus- und Wohnform des 17. Jahrhunderts im Bereich des

oberösterreichischen Ennstales

Von Gunter Dimt

,, Jede Typisierung setzt bekanntlich Abstraktion voraus. Das Leben selbstkennt den Typus nur näherungsweise als Strebung, der Einzelfall erreicht ihn nieoder selten ganz vollkommen."

Diese im Vorwort seines ,, Stubenbuches" 1) vorausgesetzten Worte F. C. Lippswirken auf große Kulturlandschaften angewandt einengend und könnten alsResignation vor der Fülle empfunden werden. Kulturlandschaften ihrerseits sindaber nur die Summe kleinerer Teillandschaften, die wiederum eigene, in sich ge-schlossene Systeme darstellen. Und wenn F. C. Lipp mit den ,, OberösterreichischenStuben" erstmals die Kenntnis um die bäuerlichen Innenräume zusammengefaßtund erweitert hat, dann in dem Wissen, nur die neun ,, großen" KulturlandschaftenOberösterreichs berücksichtigen zu können.

So sei es mit gestattet, dem Kapitel über die ,, Eisenwurzen" ein Unterkapitelhinzuzufügen und auf die eingangs zitierten Sätze zurückkommend den Ver-such zu unternehmen, die frühneuzeitliche Schichte der Haus- und Hofform einerkleinräumigen Kulturlandschaft als eigenständigen und für die Hausforschung be-sonders bemerkenswerten Typus herauszustreichen.

Der Natur- und Kulturraum

Die Eigenart des Landes um Maria Neustift liegt bereits in der geomorphologi-schen Situation: die von West nach Ost streichenden Mittelgebirgszüge zwischenEnns und Ybbs, die Höhen bis 1100 m erreichen, bilden geologisch den Übergangvon der Flysch- und Klippenzone zu den nördlichen Kalkvoralpen. Die Überschie-bung verschiedener Decken bewirkte das Entstehen einer markanten Hügelland-schaft mit oft steilflankigen Kuppen und tief eingeschnittenen Bachläufen. Beson-ders der von Weyer an der Enns bis Waidhofen an der Ybbs reichende Höhenzugmit ,, Stubauer" ,,, Lindauer" ,,, Retten"- und ,, Schnabelberg", der zugleich auchdie scharfe Abgrenzung der Kulturlandschaft nach dem Süden bildet, wird in derFolge immer wieder als Standort für altartige Wohn- und Wirtschaftsformen zu be-achten sein. Ein wesentliches Merkmal des Landschaftsbildes, die Verteilung vonWald- und Ödland, Feldern, Wiesen und Weiden, ist in der Besiedlungsgeschichtefundiert. Das Streusiedlungsgebiet mit seinen über 800 m hinaufreichenden Einzel-höfen inmitten der Einöd- Blockfluren ist das Ergebnis einer planmäßigen, spätmit-telalterlichen Rodekolonisation. 2) Flurbezeichnungen und Hofnamen spiegeln nichtnur die Art der Besiedlung, sondern zuweilen auch indirekt die Zeit wider. So ist ineinem schmalen Verbreitungsgebiet entlang des Überganges vom Alpenvorland zuden Voralpen die Häufigkeit von Namen mit der Silbe ,, Pyr"- ,, Pier"- oder

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