stimmten Festzeiten angelegt wird. Ebenso ist die Sprache ein sekundäres Land-schaftsmerkmal, da sie sich im Landschaftsbild kaum manifestiert, es sei denn inAufschriften, wie in den Spruchbalken niederdeutscher Hallenhäuser, oder in In-schriften auf Grabsteinen. Das Namensgut der Siedlungen, Fluren, Gewässer undGebirge ist nur aus dem Munde der Bewohner oder aus der Landkarte erfahrbar, inder Landschaft selbst ist es nicht sichtbar. Ebenso unsichtbar ist das Erzählgut oderLiedgut der Landschaft, das ja nur fallweise, wie etwa in der Begegnung mit einemMärchenerzähler, einer Singgruppe oder einem Hirtenruf erlebbar wird, währendandere tönende Volksaltertümer, wie Kirchenglocken oder Eßglocken auf Bauern-häusern, wenigstens ständig sichtbar sind. Halten wir also fest, daß es neben demoptischen Protokoll der Landschaft auch ein akustisches Protokoll gibt, dem alle ineiner Landschaft erlebbaren Klanggebilde, wie die Sprache, das Lied, die Musik, zu-zuordnen sind. Die für das akustische Protokoll kennzeichnenden Merkmale sind,wie gesagt, nicht ständig wahrnehmbar, es sind daher sekundäre Merkmale, derenlandschaftsbildende Prägekraft weitaus geringer ist, als die der primären Merkmale.
Hier zeigt sich nun der Wert der thematischen volkskundlichen Kartographie,die aus der Verbreitung sowohl der primären als auch der sekundären MerkmaleÜberlieferungsbilder gewinnt, die aus dem Landschaftsbild allein nie abgelesen wer-den könnten. Hier liegt aber auch der eigentliche Sinn der volkskundlichen Museen:Sie haben als Mittel der ,, angewandten Volkskunde" die Aufgabe, auch die sekun-dären Merkmale der Landschaft zu zeigen und das verborgene Kulturinventar einesRaumes sichtbar und erlebbar zu machen. In dem gleichen Bemühen findet auch dieHeimatpflege, soweit sie Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums-, Volkslied-, Volkstanz-, Volksmusikpflegeoder Trachten- und Hauslandschaftspflege ist, ihren tiefsten Sinn. Als ,, darstellendeVolkskunde" macht sie die der Landschaft innewohnenden historischen Erschei-nungsformen der Volkskultur sichtbar und trägt damit in bewußter Lenkung zu ih-rer Weitergabe bei. Wer um die Lenkungsprozesse früherer Jahrhunderte weiß, de-nen ein Großteil jener Kulturgüter entstammt, die heute ein bevorzugtes For-schungsfeld der Volkskunde bilden, der wird gegen die zeitgenössische Volkskultur-pflege, solange sie nicht in einen platten Folklorismus mündet, nichts einzuwendenhaben.
Wir könnten nun diese Betrachtung fortsetzen und bestimmte Traditionsgütergeistiger oder dinglicher Art in ihrer Auswirkung auf das Landschaftsbild untersu-chen. Dazu fehlt hier der Raum. Dagegen soll die Frage nach der landschaftsbilden-den Prägekraft der Kulturgüter noch einmal angeschnitten werden: Die Prägekraft,also jenes dem Kulturgut innewohnende Gestaltungsvermögen, das der Landschaftein bestimmtes Aussehen verleiht, hängt zunächst vom Grade der Sichtbarkeit desKulturgutes ab. Unter den sichtbaren Kulturgütern kommt jenen die größte Präge-kraft zu, die durch die längste Dauer ausgezeichnet sind. Die Eigenschaft der Dauerist besonders für Baulichkeiten kennzeichnend. Den historischen Formen der Bau-ernhöfe mißt die Hausforschung eine Umtriebszeit von 200 bis 300 Jahren zu. 12)Hier läßt sich die Frage anschließen, ob diese Prägekraft auch dann erhalten bleibt,wenn sich die Funktion des Gegenstandes ändert oder wenn er gänzlich funktionsloswird, wie dies etwa bei den Wohn- und Bergeräumen vieler oberösterreichischerVierkanter der Fall ist, deren Fensterfluchten an den einstigen Bedarf gesinde- undkinderreicher bäuerlicher Großfamilien erinnern. Die Antwort kann nur lauten, daßdie landschaftsbildende Kraft trotz des Funktionswandels selbstverständlich erhal-ten bleibt. Das Objekt gibt über den Vollzug der zeitgleichen Volkskultur zwar bild-
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