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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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ster" und ,, Meisterin ersetzte, auch ein junges städtisch gekleidetes ,, Brautpaar"dabei, das bereits höchste Eile zum Traualtar hatte, denn die Braut fiel gleich nachdem Eintreten in die warme Stube in die Wehen, um nach einiger Zeit unter rechtnaturgetreu nachgeahmten Umständen so wie in Klaffer ein Fetzen- Puppenkind zurWelt zu bringen.

Wie eigenständig das mit soviel Situationskomik verbundene ,, Untersetzen"dem Beobachter auch erscheinen mag, ist es doch nur eine Variante der in derselbenMittwinterzeit im westlichen Oberösterreich üblichen Maskenzüge, deren Wesen wiram besten mit dem Terminus ,, Besucherbräuche" charakterisieren. Es handelt sichdabei primär um die erwartete Einkehr von unsichtbaren oder als Masken verkör-perten Wesen aus einer anderen Welt, die dem Volksglauben nach an bestimmtenTerminen- in Österreich vorzüglich zu Allerheiligen und während der Rauhnachts-zeit in die Häuser kommen, um hier zu tanzen, die für sie aufgestelltenSpeisen( opfer) in Empfang zu nehmen und durch ihre Anwesenheit und ihr Verhal-ten das Schicksal der besuchten Familien im nächsten Jahr anzuzeigen. Weiterhinverbindet das Volk mit ihrem Besuch auch selbst Orakel über Besitzveränderungen,Heirat und Tod von Familienmitgliedern, vorzüglich aber auch über den Ausfall derkünftigen Ernte, wobei, wie bei den ,, Armenseelengehern" oder den Perchten undGlöcklern, ein großer Zuspruch dieser Gäste besonders bewertet wird, weil er ein er-folgreiches Jahr anzeigt, ihr Ausbleiben oder ihre geringe Anzahl indes als schlech-tes Vorzeichen gilt. Es ist natürlich nicht zu übersehen, daß sich an diese Kristallisa-tionsherde der Mittwinter- Umzüge vielfach auch noch diverse andere Maskeradenanschließen, wie sie allenthalben auch sonst das Jahr über zu sehen sind.

Die Karte ,, Die Große Rauhnacht. Masken- und Opferbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Opferbrauchtum" im ,, Atlasvon Oberösterreich" ³) hält die Verteilung dieser Bräuche während der Weihnachts-zeit fest, wobei sich, entsprechend der auch auf zahlreichen anderen volkskundli-chen Karten zum Ausdruck kommenden kulturgeographischen Gliederung diesesBundeslandes) in den östlichen Randgebieten die Belege für die Opferbräuche fürdie geisterhaft gedachten Wesen( ,, Arme Seelen ,,, Bermuada" und ihr Gefolgeusw.) massieren, während sich durch den Westen Oberösterreichs ein dicht belegtesVerbreitungsgebiet für die gleichzeitigen Maskenumzüge abzeichnet. Dabei ergebensich in diesem westlichen Teil Oberösterreichs Einsichten in drei markant voneinan-der abgesetzte Verbreitungszonen, nämlich die des sogenannten ,, Maschkererge-hens", das in allen Bezirken des Innviertels von der Grenze gegen Salzburg und Bay-ern bis zur Donau im Norden und dem Hausruck im Osten von den bäuerlichen Bur-schenschaften, den berühmten Zechen, in der Silvester- und Dreikönigsnacht durch-geführt wurde, weiters der sich nördlich der Donau anschließende Bereich der,, Rauhnachtsinger" 5) im westlichen Mühlviertel zwischen der Landesgrenze unddem Tal der Mühl und schließlich das an deren Nordgrenze anrainende Gebiet der,, Untersetzer", das sich an der Nahtstelle mit dem der Rauhnachtsinger stellenweiseverzahnt, sodaß manchmal, wie um Peilstein, beide Brauchformen, wenn auch indem gebotenen zeitlichen Abstand, nebeneinander geübt wurden. Organisatorischunterscheiden sich die Aufzüge der ,, Rauhnachtsinger" von jenen der anderendurch den Modus des ,, Hereinrufspiels", bei dem jede der Hauptpersonen sich in ei-ner eigenen Strophe vorstellt, ihre Funktion und ihre Wünsche hinsichtlich der zuerwartenden Lebensmittelspende angibt und den nachfolgenden Spieler ankündigt.Gemeinsam singen dann alle ein Lied, in dem sie den besuchten Hausleuten ihreGlückwünsche zum Neujahr darbringen. Bei den ,, Untersetzern" bildet, wie wir sa-

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