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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
Entstehung
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Dagegen war der Brauch in Dietrichschlag 1952 noch üblich: ,, Untersetzer kommen in einer Woche vorWeihnachten, in die kein Feiertag fällt". Aus den Orten, die ihn noch kennen, werden indes gewisse Ver-fallserscheinungen gemeldet:

,, Als Untersetzer kommen noch alle möglichen Masken"( Sonnwald 1954);

,, Untersetzer kommen noch. Aber sie kommen jedesmal anders. Jetzt in den Fasching versetzt"( Schön-eben 1952);

,, Untersetzen vereinzelt. Sie versuchen verwegen, ja herabgekommen auszusehen, wenn sie in die einzel-nen Häuser stürmen"( Julbach 1952).

Damit hat sich dort aber auch schon der Schritt zu einer Form des Heischebrau-ches vollzogen, der in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg auch bei den hier sonstrecht bescheiden auftretenden ,, Armenseelengehern"( ,, Armenseelenweckengeher"u. ä.) zu beobachten war, wenn sie mitunter recht stürmisch die für die ,, ArmenSeelen" gespendeten Brote und andere Lebensmittel forderten. Dabei wird aberauch für Öpping als Zweck des Untersetzens das ,, Lebensmittelsammeln" angege-ben, sodaß es nicht verwundert, wenn aus Dietrichschlag berichtet wird, daß maneinmal eine solche Gruppe von Untersetzern verhaftet habe, weil sie ,, um Gabenbettelten".

Der Personenkreis, aus dem sich die Untersetzer rekrutierten, entstammte meistder männlichen Dorfjugend( Frauenrollen wurden grundsätzlich auch von Burschendargestellt), denen sich manchmal auch verheiratete Männer zugesellten. Mitunterkamen die Gruppen auch aus weiter entfernten Ortschaften, zogen von Dorf zuDorf und hatten dabei den Vorteil, von Neugierigen weniger erkannt zu werden alsEinheimische:

,, Untersetzer sind einheimische junge Leute, aber auch einige Verheiratete"( Klaffer);,, Junge Burschen aus Seitelschlag"( Julbach);

,, Burschen, die von Aigen oder Schlägl herbeizogen"( Öpping);

,, Meist waren auch einige Ältere dabei, die dies veranstalteten. Sie zogen von Dorf zu Dorf"( Guglwald);,, 1951 kamen fünf Vermummte aus Aigen, die in dem Ort das Untersetzen durchführten"( St. Oswald).Der Besuch der ,, Untersetzer" kündigt sich durchwegs recht geheimnisvoll an: MitEinbruch der Dunkelheit, wenn sich die Hausleute bereits in der Stube zusammenge-funden haben, kommt lautlos das ,, Spinnweibl" herein, setzt sich ohne Gruẞstumm an den Stubentisch oder in eine Zimmerecke und beginnt auf einem mitge-brachten Spinnrad eifrig zu spinnen. Niemand kennt den merkwürdigen Gast, dochalle wissen, daß in absehbarer Zeit auch die übrigen Untersetzer ins Haus kommenwerden. Es dauert aber oft noch bis zu einer halben Stunde, bis plötzlich mit Gepol-ter der ,, Zwickeltrager" über die Türschwelle stolpert und der Länge nach in dieStube fällt. Dabei kollern aus seinem Korb unzählige ,, Zwickel", d. s. kleine flacheHolzstückchen verschiedener Größe, auf den Boden. Während sich der nur durcheinen aufgemalten Bart, manchmal zusätzlich mit aufgesetzter langer Faschingsnaseunkenntlich gemachte ,, Zwickeltrager" in seiner gewöhnlichen, aber wie einige an-dere Masken auch mit einem Strohseil um die Lenden gegürteten Arbeitskleidungmühsam aufrichtet und heftig gestikuliert- denn er wie alle übrigen Masken blei-ben entweder völlig stumm und verständigen sich nur mit bewegtem Gebärdenspiel,oder sie sprechen in unverständlichem ,, Hölzeln" oder mit kreischender Fistelstim-me, verschwindet unbemerkt und ebenso lautlos wie es gekommen war, das,, Spinnweibl" hinaus in die Winternacht, um im nächsten Haus durch ihr Erschei-nen die baldige Ankunft der Untersetzer anzuzeigen.

Die Hausleute hätten aber auch gar nicht Zeit gehabt, sich um den Verbleib dergeheimnisvollen Spinnerin zu kümmern. Denn gleich hinter dem ,, Zwickeltrager"

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