Das weihnachtliche ,, Untersetzen" im oberen Mühlviertelund seine Stellung innerhalb der Rauhnachts- Maskenbräucheim westlichen Oberösterreich
Von Ernst Burgstaller
In dem klimatisch wenig begünstigten, an landwirtschaftlichen Erträgnissenkargen und erst in unseren Tagen verkehrsmäßig besser erschlossenen nordwestli-chen Teil des Mühlviertels, dort, wo an der Dreiländerecke Österreich, Bayern unddie CSSR aneinander grenzen, erhielten sich um die Orte Julbach, Klaffer, Krieg-wald, Öpping, Peilstein, Sonnwald und Ulrichsberg vielfach bis zum Zweiten Welt-krieg einige Bräuche, die zu den eigenartigsten Oberösterreichs gehören.
Über das lärmvolle ,, Wolfablassen" am Martiniabend, mit dem der Weidegangendete, und über die schönen, meist als Patengeschenke verwendeten ,, Neujahr" ge-nannten, radförmigen Spiralgebäcke wurde bereits mehrfach berichtet ¹), von demköstlichen, die schauspielerische Begabung der dortigen Bevölkerung in fröhlicherWeise offenbarenden ,, Untersetzen"( ,, Unterspreizen") wurde indes bisher nochwenig Notiz genommen. 2)
-
Der Brauch bildete einst den Abschluß der sogenannten ,, Werg-" oder,, Durchspinnwoche", jener ,, Woche vor Weihnachten, in die kein Feiertag fiel"( Dietrichschlag), in der sich alle Familienmitglieder- die Männer konnten dasSpinnrad genau so gut bedienen wie die Frauen bemühten, soviel Garn wie mög-lich zu spinnen, das dann vor der Weiterverarbeitung durch die Hausweberei gewa-schen und in nassen Strähnen auf den Trockenstangen um den Stubenofen aufge-hängt wurde. Die dadurch angeblich entstehende Gefahr des Zerbrechens dieserTrockenanlage durch die schwere Last des nassen Garns rief nun die ,, Untersetzer"auf den Plan, die, gewöhnlich in einer Donnerstagnacht, in die Häuser kamen undunter Entfaltung eines reichen Gebärdenspiels begannen, die Ofenstangen mit völligunzulänglichen Geräten abzustützen. Begreiflich, daß der Brauch, den der Verfasser1941 in Klaffer noch in seiner Vollform aufnehmen konnte, mit dem allgemeinenRückgang des Flachsanbaues und des im Heimwerk betriebenen Spinnens und We-bens seine Grundlage weitgehend verlor und jetzt nur mehr selten oder, weil funk-tionslos geworden, mitunter sogar zu einer untypischen und auch an den seinerzeiti-gen Termin nicht mehr gebundenen Faschingsunterhaltung geworden ist.
Dementsprechend lauten auch die Auskünfte der Gewährsleute, die vom Ver-fasser zwischen 1950 und 1954 befragt wurden, sodaẞ aus ihnen auch ein verhältnis-mäßig guter Einblick in die ,, Biologie" eines Brauches ersehen werden kann, der inseine Endphase geraten war.
,, Unterspreizen war bekannt. Heute treten keine Masken mehr auf"( Peilstein 1950);
,, Untersetzen war in der Zeit, in der noch gesponnen wurde. Damals wurde der Brauch fleißig geübt.Jetzt sehr selten"( Kriegwald 1951);
,, Untersetzer kommen noch, aber sehr selten und nicht mehr schön"( Klaffer 1951).
47