Zum bäuerlichen Gerätebestand im Salzkammergut
Ein Vergleich 1789-1977
Von Elisabeth und Olaf Bockhorn
1. Entwicklung der Landwirtschaft
für sehr reich gilt hier schon der Bauer, der so viel Getreide erbaut, als er
für sein Haus bedarf"...( 1809).
Mit diesen Worten charakterisierte der Reiseschriftsteller J. E. Mader zu Be-ginn des vorigen Jahrhunderts die Landwirtschaft im oberösterreichischen Salzkam-mergut¹). Typische Form war die der halbbäuerlichen Kleinwirtschaft, das ,, Gütl"genannte salinenbäuerliche Anwesen. Bereits in den das gesamte Salzwesen diesesGebietes reglementierenden Reformationslibellen von 1524, 1563 und 1656 standman den Arbeitern des Kammergutes ein kleines Grundstück für Haus und Haus-garten zu²). Zum einen mußte man ja trachten, stets genügend Arbeitskräfte für Ab-bau, Verarbeitung und Transport des Salzes³) sowie die damit verbundeneForstwirtschaft) zur Verfügung zu haben, zum anderen boten Grund und Bodendie Möglichkeit landwirtschaftlichen Zuerwerbs als Ergänzung der gelenkten Vik-tualienzuteilung durch das Salinenamt( das Getreide dafür, das sogenannte ,, Hof-korn", kam aus der Kornmark, dem diesbezüglichen Widmungsbezirk zwischenTraun und Krems, das Fleischvieh aus der Steiermark und dem dafür reservierten,, Gey Viechtau❝5)). Die Bewirtschaftung der ,, Gütln" war diesem Zwecke angepaẞtund entsprechend vielseitig: man betrieb Getreidebau, pflanzte Gespinst- und Futter-pflanzen, Kartoffeln) und Kraut und hielt eine geringe Anzahl von Vieh. Die Bear-beitung erfolgte weitgehend durch die Frauen und Kinder der Kameralarbeiter, dieja einer geregelten Arbeitszeit unterworfen waren. Daneben existierten schon we-gen der natürlichen Gegebenheiten- nur wenig reine Bauerngüter. In größererZahl gab es sie praktisch nur in den dafür geeigneten Talsohlen von Aussee, Goisernsowie im Gosautal. In der gesamten Herrschaft Wildenstein, die seit 1773 ihren Sitzin Goisern hatte7), standen in 30 Ortschaften den 132 Bauern 1300,, Häusler, Gärt-ler und sonstige beim Nährstand" gegenüber 8). Aber auch diese Bauern waren inHinblick auf den Absatz von Getreide und Milchprodukten vom Versorgungssystemdes Salzkammergutes abhängig( und richteten ihre Produktion darauf aus). Da aus-reichende Weideflächen im Tal sowie eigener Waldbesitz fehlten, regelten ServituteWald- und Almweide. Die zahlenmäßigen Beschränkungen, durch Waldordnun-gen) auferlegt( im Vordergrund stand ja der Schutz des Waldes als Holzlieferantfür den Salzbergbau), verstärkten diese schon erwähnte Abhängigkeit. Die Produk-tionsflächen und-mengen waren natürlich größer als die der die Landwirtschaftals Nebenerwerb betreibenden- ,, Arbeiterbauern"( dieser Ausdruck wird im Salz-kammergut heute noch allgemein verwendet), doch sind in Hinblick auf Arbeit undGeräte sowie auf die sozio- kulturellen Verhältnisse Vergleiche durchaus zulässig.
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