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Volkskultur : Mensch und Sachwelt ; Festschrift für Franz C. Lipp zum 65. Geburtstag
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Die Taufnamengebung als Spiegel der Heiligenverehrung

in Tirol

Von Dietmar Assmann

Die Taufnamengebung ist bekanntlich sowohl landschaftsweise wie vor allemauch zeitlich ziemlich unterschiedlich. Verschiedene ,, Modetrends" hat es hierbeischon vor Jahrhunderten gegeben, wie sich desgleichen das Angebot an Heiligenna-men nicht nur stets erweitert, sondern auch die Heiligenverehrung an sich einem ste-ten Wandel unterworfen ist. Solcherart kann die Taufnamengebung- wie die nach-folgenden kurzen Ausführungen, belegt durch Beispiele aus Nord- und Südtirol, zei-gen sollen einen nicht unbedeutenden Gradmesser für die allgemeine Verehrungbestimmter Heiliger darstellen. Wenngleich damit noch nichts über eine kultischeVerehrung dieser ,, Vorbilder" ausgesagt werden kann, so führt doch in vielen Fäl-len der Weg über den Namenspatron zu einem besonderen persönlichen Verhältniszu diesem Heiligen.

Eine im weiteren nicht näher untersuchte Rolle in der Beeinflussung dieser Aus-wahl bildet die Fülle an volkstümlich gehaltener Literatur über die Heiligen. Derar-tige Werke finden sich nicht nur aus der Vergangenheit, sondern auch aus neuesterZeit, unter denen jenes von J. Torsy¹) schon vom Titel her diese Beziehung hervor-hebt und in der Einleitung dazu ausdrücklich darlegt.

In einer vom Verfasser 1968-70 durchgeführten Fragebogenerhebung 2) überdie Heiligenverehrung in Tirol wurde zwar nicht eigens darnach gefragt; unter derFrage ,, In welcher Weise wird die Heiligenverehrung gefördert?" liefen allerdingsu. a. folgende Antworten ein:

"

Wahl der Namen bei der Taufe"( Sarnthein)

,, Durch christliche Namensgebung bei der Taufe"( Marling, Villanders)

,, Namenstagsfeiern- die Leute auf den besonderen Schutz des Namenspatrons hinweisen❝( Mittewald/ Eisack)

,, Daß man den Namenstag der Heiligen besonders feiert und hervorhebt- Namenspatrone"( Kar-titsch)

,, Durch gelegentliche Predigten über Tagesheilige und Namenspatrone"( Holzgau),, Durch Hinweise auf die Namenstage im Religionsunterricht"( Patsch, Villanders)

Nach den Fragebogenerhebungen für den ADV³) aus dem Jahre 1930 wurde in44 Orten Nord- und Osttirols nur der Namenstag, in 23 Orten der Namens- und Ge-burtstag, in 9 Belegorten weder noch gefeiert, wobei die Streuung ziemlich gleich-mäßig ist. Für Südtirol ergab die Befragung, daß in 34 Orten nur der Namenstag,beides in vier, in zwei Orten weder noch und einmal ,, ganz selten" nur der Geburts-tag gefeiert wird. Die überragende Stellung des Namenstages ist damit so wie für allerein katholischen Gebiete zu jener Zeit bewiesen. Heute sind auch in Tirol Geburts-tagsfeiern ziemlich allgemein üblich, am wenigsten in noch rein bäuerlichen Gegen-den, ohne daß damit jedoch der Namenstag zu kurz kommt.

Hinsichtlich des Alters der Taufnamengebung schreibt F. Boehm4), daß derTaufname in den Ritualien der Kirche erst seit dem 14. Jht. berücksichtigt werde.

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