Franz Lipp 65 Jahre
Auf der Suche nach dem Bleibenden: ,, So wie die Goldkörner auf dem Grundedes Treibsandes, so selten, aber auch so kostbar, gediegen und dauerhaft ist dasjeni-ge, was übrigbleibt, wenn alles flüchtige Geschiebe, alles nur Angeschwemmte, wiedie oft nur zufällige Oberfläche im Aufbau und in der gegenwärtigen Zusammenset-zung eines Volkes durch gewaltigere Wellengänge der Geschichte überflutet und ab-getragen wird. Was dann noch übrigbleibt und sich behaupten kann, ist allein dergoldene Urgrund von Art und Brauch eines Volkes." Was Franz Lipp 1952 im Vor-spruch zu seinem Bildatlas ,, Art und Brauch im Lande ob der Enns" schrieb, das istdoch, knapp und dennoch künstlerisch stilisiert, der Tenor der Weltsicht des For-schers und Gestalters Franz Lipp.
Der wissenschaftlich und künstlerisch gleichermaßen begeisterte junge Mannaus dem Salzkammergut ist ganz offensichtlich mit dem Willen in die Welt getreten,diese seine Weltsicht an den dafür zuständigen Stellen zu bekunden und mit den ihmgegebenen Möglichkeiten zu gestalten. Schon der Studierende, der auf der Suchenach einer ihm gemäßen Art der Volkskunde zuerst nach Wien zu Arthur Haber-landt, dann nach Graz zu Viktor von Geramb ging, hat diesen Willen stets deutlichbekundet. Lipp, der am 30. Juli 1913 in Bad Ischl zur Welt kam, besuchte die Mit-telschule in Linz, entschied sich für das Studium der Lehramtsfächer Germanistikund Geschichte, ohne freilich seine wirklichen Interessengebiete, nämlich Volkskun-de und Philosophie, hintanzusetzen. Als er sein Doktorat in Graz gemacht hatte,ging er nur für kurze Zeit in den Schuldienst, erst in Ischl, dann in Wels, und kamschon am 1. Jänner 1939 dorthin, wo er eigentlich die ganzen Jahre seines Wirkensbleiben sollte, nämlich ans Oberösterreichische Landesmuseum nach Linz. Zu-nächst gewiß an eine mehr provisorisch eingerichtete ,, Stelle für Volkstumsarbeit",dann aber sehr bald als Beamter, nämlich als Leiter der neu aufzubauenden Abtei-lung für Volkskunde. Daß sehr bald der Krieg nach ihm griff und ihn auf seine ge-walttätige Art größere Teile Europas kennenlehrte, als unbedingt notwendig gewe-sen wäre, das war das Schicksal unserer Generation, dem sich Lipp nicht entzog. So-bald er wieder heimkehren konnte, war er auch wieder im Linzer Landesmuseumund setzte nunmehr mit seiner großen Sammeltätigkeit ein, die aus dem bisher kaumbetreuten Referat ein immer wichtiger erscheinendes Glied dieses Museums machte.
Es war und blieb nicht zu übersehen, daß Franz Lipp ein begeistertes, dankba-res Kind seiner Heimatlandschaft ist. Das Salzkammergut, der Raum um Ischl, dasist für den Menschen wie für den Volkskundler Lipp bestimmend geblieben. Schon1941 hat er eine Studie über den Menschen dieser Landschaft geschrieben, wo sichder neugeprägte Name ,, Salzkammergutler" zuerst findet; heute sagt man meist,, Salzkammergütler", und denkt nicht mehr daran, daß der Ausdruck noch keinhalbes Jahrhundert alt ist. Zehn Jahre nach diesem frühen Aufsatz schrieb Lipp dasdichterisch beschwingte Büchlein über ,, Das Salzkammergut. Wesen einer Land-schaft", eine heimatliche Hymne, welche Lipp im weiteren noch die Mitarbeit an somancher anderen Salzkammergut- Veröffentlichung eingetragen hat. Die Wissen-
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