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Zensurierte Bildergrüße : Familienfotos russischer Kriegsgefangener 1915 - 1918
Entstehung
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Pakete

Das Dienstbuch" regelte auch die Paketpost: ,, Die andie Kriegsgefangenen einlangenden Paketsendungensind vor der Ausfolgung an die Adressaten in derenGegenwart zu öffnen und genauestens zu visitieren,damit nicht Geldsendungen, Zeitungen oder Korre-spondenzen eingeschmuggelt werden. Hiebei istbesonderes Augenmerk auf Kleidungsstücke, Schuhe,Bücher, Jodsendungen( wegen Geheimschrift), unbe-schriebene Briefbogen, Umschläge, Zigarettenpapieru. dgl. zu richten. Es ist vorgekommen, daß bei derVersendung von Liebesgaben an die Gefangenen Zei-tungen und sonstige Nachrichten in verlöteten Kon-servenbüchsen, in Kuchen versteckt oder zwischendoppelten Böden von Kistchen versteckt waren. Auchunter aufgenähten Ledersohlen von Filzschuhen sindBriefe mit unerlaubten Nachrichten vorgefunden wor-den. Solche Sendungen müssen daher sehr sorgfältiguntersucht, Konservenbüchsen u. dgl. in Gegenwartdes betreffenden Gefangenen geöffnet werden. Es istdarauf zu achten, daß die Kriegsgefangenen den Emp-fang von Paketen unter Angabe des Inhaltes in ihrenBriefen und Karten den Absendern bestätigen."" 10 DiePaketabfertigung erfolgte in einer separaten Baracke.Laut Erlaẞ des Kriegsministeriums vom 10. März1915 war der Inhalt der Pakete vor Ausgabe an dieKriegsgefangenen in Anwesenheit des Evidenz- oderPostoffiziers einer strengen Zensur zu unterziehen.Hierzu wurde der Inhalt zerkleinert oder Wäsche undKleidungsstücke durchsucht. Die Zensur wurde stich-probenweise in den Sammelstationen vorgenommen."In Brüx wurden Pakete aus Rußland zensuriert undverbotene Briefe, Zeitungen und Bücher auf Sabotagehin untersucht. Im Kriegsgefangenenlager Purgstallkonnten jedoch keine derartigen Beobachtungen

gemacht werden. An die Kriegsgefangenen erging dieWeisung, sie sollten ihren Angehörigen mitteilen, ver-botene Sendungen zu unterlassen. Dies brachteanfangs wenig Erfolg, da entsprechende Briefe im oftfernen Zielort verspätet eingetroffen waren. DieAngehörigen legten aber weiterhin ein gehöriges Maßan Kreativität und Mühe an den Tag. So wurden Brie-fe in Größe einer Haselnuß in Brote eingebacken oderin augenscheinlich harmlosen Gegenständen versteckt.Der Inhalt dieser Schreiben war aber fast ausschließ-lich privater Natur.

Viele Gefangene arbeiteten außerhalb der Lager. Auchihre Pakete wurden geöffnet, zensuriert, neu verpackt,mit neuer Adresse versehen und in die betreffendenGebiete zugestellt. Hierzu wurden die Holzkistchen ineine Leinenhülle genäht- der Inhalt sollte den langenTransport möglichst unbeschadet überstehen. Diewechselnden Arbeitsorte, aber auch Todesfälle undFlucht brachten für die Paketzustellung im Vergleichzur Briefpost größere Probleme mit sich. Die Paketestauten sich nicht selten im Lager und wurdenschließlich aufgrund eines Erlasses des Kriegsministe-riums verteilt, laut Befehl des Lagerkommandos vom5. April 1916 in Gegenwart des stellvertretendenLagerkommandanten, des Lagerchefarztes, zweierKriegsgefangener- Offiziere¹² und zweier Kriegsgefan-gener. Dies geschah nach Rangordnung. Wertgegen-stände und Verpackung behielt man ein. Die Vertei-lung betraf jene Pakete, die sich innerhalb von 14Tagen, später vier Wochen, als unzustellbar erwiesen.Geldbeträge aus den Paketen gingen nach einemBeschluß der Kriegsgefangenen an den Denkmalfondder Depositenkasse, Kleider und Wäsche an das Lager-magazin. Das Kistenholz wurde zum Heizen in der

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RAUCHEN

VERBOTEN

Zensur und Postpaket-verteilung im Lager Purgstall.Österreichisches Staatsarchiv

( Kriegsarchiv), Wien.