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Burkhard Pöttler, Graz
Aspekte historischer Stadtkultur
am Beispiel von Verlassenschaftsinventaren
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,, Urbane Welten" als Titel dieser Tagung läßt vielleicht nicht unbedingtan die Stadt des 18. Jahrhunderts denken, vor allem dann, wenn man denBegriff der Urbanität- wie oft ―mit der Industrialisierung des 19. Jahr-hunderts koppelt oder wenn man wie der Oldenburger Soziologe Wal-ter Siebel Urbanität als ganz spezielle Qualität von Stadt, auch vonGroßstadt, versteht. Urbane Stadt nicht nur als Summe der FunktionenWohnen, Arbeiten, Erholung und Verkehr gemäß der Charta von Athen, alsgekennzeichnet durch die Größe, Dichte und Heterogenität der Bevölke-rung, die Polarität von Öffentlichkeit und Privatheit, die Mitwirkung derBürger am Stadtregiment und die Emanzipation vom Naturzwang, sondernauch als Ergebnis historischer Entwicklungen, als gekennzeichnet durch,, Nachtseiten". Was jeweils als urbane Qualität begriffen wird, hängt vonder Lebenssituation ab und damit von den unterschiedlichen Interessensozialer Gruppen. Letztlich sind auch das Element der Befreiung und dieWidersprüchlichkeit der Stadt nach Siebel Kriterien für die urbane Stadt.'
In der Stadt des 18. Jahrhunderts sind jedoch viele Faktoren einermodernen Stadt zumindest in Anfängen bereits vorhanden, wenn wir etwaden Aspekt der Modernität, des zeitlichen Vorsprungs, der Vorreiterfunkti-on der Stadt betonen oder auch die Gleichzeitigkeit unterschiedlicherLebenssituationen und-stile. Ebenso sind um diese Zeit bereits die Relati-vität dieser Modernität und die Relativität der Zentralität von Städtengegeben. Wien als einzige„ Großstadt" im Bereich des heutigen Österreichhat eine herausragende Funktion, aber auch innerhalb der Länder gibt esnoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Städten, sowohl bezüg-