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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
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Michael Prosser, Regensburg

Stadt und Stadion

Aspekte der Entwicklung des Zuschauerfestes,, Fußballveranstaltung" in Deutschland

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I.

Fußballveranstaltungen zählen gegenwärtig zu den populärsten Fest-ereignissen der Großstädte in Mitteleuropa. Aus einem Sportspiel imexklusiven Kreis von Schülern und Studenten ist im Verlauf des 20. Jahr-hunderts eine Massenversammlung unter Beteiligung Zehntausender vonBesuchern geworden, deren Rolle sich von rezipierenden Zuschauern zuaktiven Mitgestaltern des Ereignisses entwickelt hat. Ihren Aufschwungnimmt die Fußballveranstaltung als Zuschauerereignis nach dem ErstenWeltkrieg. Hatten vor 1914 selbst die Schlagerspiele" allenfalls einigeHundert bis knapp über tausend Menschen angelockt, so kamen danachzehntausende, wie die Historikerin Christiane Eisenberg in ihrer jüngstpublizierten Überblicksdarstellung feststellt. Damals setzte die eigentlichePopularisierung des Fußballsports ein Fußball war und ist seit denzwanziger Jahren nicht mehr ein Sportspiel, sondern das Sportspiel. In derFolge der neuen Arbeitszeit- und Freizeitregelungen in der WeimarerRepublik erschließt die anfängliche Angestellten- und Akademikersportartin großem Stil auch das Arbeitermilieu.2 Seitdem ist der 10.000- facheBesuch geblieben; vor allem die Endspiele um die Deutsche Meisterschaftund internationale Spiele werden von 50.000 und mehr Zuschauernbesucht. Auch bei den während des Zweiten Weltkrieges ausgetragenen