Stadterfahrung und der Sinn fürs Wirkliche
... Gefühl/ Vernunft...
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,, Ich liebe alle, auch die, die ich nicht liebe", so sprach Dr. Mottebei der Eröffnung der Loveparade 1997, bei der über eine Million Jugend-liche drei Tage lang zu Techno- Musik tanzend durch Berlin zogen. Love,peace and unity, Friede, Freude, Eierkuchen, We're all one family ― Solauteten die Parolen der Love Parades der letzten Jahre. Die Gefühle ste-hen im Mittelpunkt. Vernunft ist ein Begriff, der irgendwo in der Ferneschwebt und durch den man sich den Spaß nicht verderben läßt, was ver-mutlich ein Paradigma von Jugendlichkeit ist aber gerade in dieserJugendkultur, der Techno- Szene, einen ganz besonderen Stellenwert ein-nimmt. Im Gegensatz dazu waren die Jugendkulturen der achtziger Jahre,allen voran New Wave, von Coolness geprägt. Cool zu sein bedeutetedamals etwas anderes als heute, nämlich distanziert zu sein, sich in jederSituation souverän zu geben, und Gefühle auf keinen Fall zur Schau zustellen. Für die jugendkulturelle Generation der„ 68er“ war Vernunft gera-dezu ein Paradigma, um Demokratie, Transparenz und Emanzipation, alleswesentliche Ideale der Moderne, gesellschaftlich durchzusetzen.
Vernunft ist ein Begriff, der von Erwachsenen verwendet wird, umJugendliche zu disziplinieren und sie in die Welt der Erwachsenen zu inte-grieren. ,, Werd' endlich vernünftig, Junge!" heißt soviel wie„ Werd' end-lich erwachsen!". Das spaßgeleitete Lebensprinzip der Techno- Szenewiderspricht ganz massiv dem Prinzip der Vernunft als ordnungs- undsystemkonstituierendem Kriterium. Diesen Wertewandel sieht Ulrich Beckin seiner Abhandlung„, Kinder der Freiheit. Wider das Lamento über denWerteverfall" sehr positiv:„ Mehr Einkommen, mehr Karriere, mehrdemonstrativer Konsum zerbricht und an seine Stelle tritt eine neueGewichtung von Prioritäten, in der gerade immaterielle Gesichtspunkteder Lebensqualität eine herausragende Rolle spielen. Was heißt das? ZumBeispiel, daß die Verfügbarkeit über eigene Zeit höher bewertet wird alsmehr Einkommen und mehr Karriere, weil Zeit der Schlüssel ist, der dasTor zu den Schätzen aufschließt, die das Zeitalter des eigenen Lebens ver-spricht: Gespräch, Freundschaft, Für- sich- Sein, Mitgefühl, Spaß usw.".Beck ist nicht naiv und erkennt sehr wohl, daß dies der kulturelle Wahr-nehmungshintergrund dafür sein kann, daß die dramatische Radikalisie-rung materieller Ungleichheiten bislang ohne einen politischen Aufschreihingenommen wird. Elisabeth Katschnig- Fasch stieß in ihrer Studie über