Helga Maria Wolf, Wien
Religiöse Rituale
im Wien der neunziger Jahre
Forschungsprojekt„, Alte& neue Bräuche in Wiener Pfarren"
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Religion und Ritual sind nicht mehr tabu, sondern wieder interessantgeworden. Spiritualität individueller und esoterischer Ausprägung gewinntvor der Jahrtausendwende verstärkt an Bedeutung. Diesem Trend steht derchristliche Jahreskreis gegenüber, der mit restaurativen und innovativenTendenzen begangen wird. Auch dafür gibt es in der Stadt großes Interes-se bei kirchlichen Nicht- Kernschichten.
Mein Forschungsprojekt beschäftigt sich mit dem Segment der religiö-sen Rituale in der Liturgie und in pfarrlichen Gruppen der katholischenund evangelischen Kirchen in Wien. Es ist als Langzeitstudie angelegt:Nach der ersten Phase 1990/91 soll 1997 ein Vergleich ermöglicht werden.Der dritte Schritt wird nach der Jahrtausendwende zu tun sein.
Bevor ich Ihnen das Projekt und einige Ergebnisse vorstelle, vier The-sen über„, religiöse Rituale im Wien der neunziger Jahre“:
1. Religion
Religion ist nicht mehr nur Christentum.„ Volksfrömmigkeit“ erweitert sichzu einer postmodernen popularen Spiritualität: individuell, diffus,esoterisch.
Religion
das war in unserem Kulturkreis jahrhundertelang gleich-bedeutend mit Christentum, mit der( römisch- katholischen Amts-) Kircheals offizieller Vermittlungsinstanz. Daneben huldigten die Menschen der