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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Susanne Breuss

bol des modernen städtischen Haushalts und Lebensstils galt.62 In Haus-haltsratgebern wurde er bald nach seinem Erscheinen als eine herrlicheEinrichtung" mit großer Zukunft" freudig begrüßt. Erst der Staubsaugerermöglichte es, eine den Grundsätzen der modernen Hygiene entsprechen-de Wohnungsreinigung vorzunehmen.64 Die moderne Technik wurde viel-fach als eine ,, heimschaffende Kraft" 65 gefeiert, nicht zuletzt durch einebessere und leichtere Gewährleistung der Hygiene erleichtere sie derHausfrau die Heimgestaltung.

Parallel zur zunehmenden Verankerung der hygienisch begründetenWohnungsreinigung im Alltagshandeln, gewinnen ab dem beginnenden20. Jahrhundert auch jene Stimmen von Architekten, Wohnungsreformernund Künstlern an Gewicht, die eine neue Wohnkultur fordern. Die vollge-stellten, überladenen und düsteren bürgerlichen Wohnungen des späten 19.Jahrhunderts sollen entrümpelt werden, um einer neuen Schlichtheit undKlarheit Platz zu machen. Ins Feld geführt werden dabei nicht nur ästheti-sche, sondern auch hygienische Argumente: alle staubfängerischenGegenstände❝66 sollen entfernt werden; dies erleichtere nicht nur der Haus-frau die Hausarbeit, sondern bewirke auch ein befreites Wohngefühl. DieAnprangerung der ästhetisch wie hygienisch bedenklichen Staubfängerfindet sich fortan nicht nur in den Schriften zur Wohnungsgestaltung, son-dern auch in den Ratgebern für die Hausfrau:

,, Jede Hausfrau, die die Bekämpfung des Staubes in ihrer vollen Wichtigkeiterkennt, wird ihm natürlich jede Gelegenheit nehmen, sich dauernd anzusie-deln. Also wird sie allen künstlichen Fältelungen, Bauschungen, Wölbungenfeind sein, in denen die Phantasie des Dekorateurs so gern lustzuwandelnpflegt". 67

Die ästhetischen Forderungen der Zeit- Sachlichkeit, Klarheit, Ein-fachheit68 verbanden sich aufs innigste mit jenen der Hygiene: Begün-stigt und vereinfacht wird die Staubentfernung im Haushalt durch die ein-fache Art der Möbel und Räume, wie sie in den neuzeitlichen Wohnungs-einrichtungen gegeben sind. Hier finden wir weder unnötigen Krimskramsnoch versteckte Ecken und Schlupfwinkel, die die Arbeit erschweren❝.69Vor allem nach dem Ersten Weltkrieg, als die Neue Sachlichkeit auch dieWohnungsdebatten prägte, wurde den Staubfängern gnadenlos der Kampfangesagt. Ein neues schlagendes Argument gesellte sich zu den ästheti-schen und hygienischen: die mit der zunehmenden Berufstätigkeit einher-gehende Mehrfachbelastung der Frauen sowie der Dienstbotenmangel