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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
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Margot Schindler, Wien

Museen und Großstadt

Ich beginne meine Überlegungen mit einem Zitat, das mir geeigneterscheint, die Bezüge zwischen Stadt und Museum anzudeuten, dem, altenPaar, das stets neue Hochzeiten feiert" und dabei vielfältigste Verbindun-gen eingeht. ,, Der Metropolenbewohner lebt nicht in erster Linie in Zie-gelsteinen, Marmor, Glas und Stahl, sondern in der Architektur desmenschlichen Geistes, deren Fundamente jenes menschenwürdige Verhal-ten bildet, das Urbanität definiert." Ich weiß nicht, ob Bazon Brock dabeian Museen oder auch an Museen gedacht hat, jedoch verknüpft dieserGedanke trefflich das Begriffspaar, um welches es hier geht: das Museumals Monument aus Ziegelsteinen, Marmor, Glas und Stahl, als architekto-nisches Gebilde, das die Hervorbringungen des menschlichen Geistes undseiner Kreativität beherbergt, welche zur Geistes- und Herzensbildung sei-ner Besucher verhelfen und zur Humanisierung der Gesellschaft durch dieSynthese von sozialer Bildung und ästhetischem Vergnügen beitragen soll-ten. Urbanes Verhalten manifestiert sich nach Brock jedenfalls nicht in dentechnisch rational gestalteten Dingen selbst, sondern im Umgang mit ihnenund in dem Gebrauch, den wir von ihnen machen.³

Urbanisierung ist nicht nur als sozialer Prozeß zu verstehen, geprägtdurch Bevölkerungswachstum, kommunale Verwaltung, Technisierung,städtebauliche Entwicklung, Verkehr, sondern auch im Kontext der kultu-rellen Ausstrahlung von Metropolen.4 Die kulturelle Selbstdarstellung istein wichtiges Ausdrucksmittel des Selbstverständnisses von Menschen wieauch von Städten, was nicht nur den feudalen Herrschern vergangenerJahrhunderte bekannt war, wenn sie sich neben einem Marstall auch eineGaleria angelegt haben, sondern was sich auch Kultur- und Kommunalpo-