Nikola Langreiter, Wien
Die Stadt in alpiner Reiseliteratur
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1. Zum Thema
Nur einige der inneralpinen Städte ziehen die Aufmerksamkeit vonReiseschriftsteller an, sehenswürdig ist in den Alpen anderes'. StädtischeSiedlungen werden meist knapp und formelhaft abgehandelt: Eine alpineStadt hat idealerweise nichts Urbanes, das beschrieben werden müßtesie fügt sich bruchlos und unauffällig ins gebirgige Umland ein, bildetallenfalls eine verträgliche, milde Melange von erwartet Ländlich- Dörfli-chem und dem, was an einem Städtchen akzeptabel ist. Wie etwa Ratten-berg, wo sich der„, Styl, den die alten Tiroler für ihre Stadthäuser befolg-ten", gründlich studieren läßt:„ Das tirolische Bürger- und Stadthausscheint eigentlich eine Vermählung von Alpenhütte und Thurm, Burg oderFestung zu sein.” 2
Im Rahmen einer früheren Arbeit³ analysierte ich die Darstellung einerländlichen Region( des Zillertales) in Reiseführern. Ich ging davon aus,daẞ Reiseliteratur zur Bildung und Verbreitung von Stereotypen beiträgt,Systembedingungen für das Handeln von TouristInnen und Bevölkerungmit vorgibt und soziale Realität erzeugt. Im Zentrum standen die Beschrei-bungen von„, Land und Leuten" und jene Bedingungen und Interessen, diediese Beschreibungen prägen. In diesem Zusammenhang stellte sich dieFrage nach den Stadtbildern, die den Hintergrund von Wahrnehmung undKommunikation alpiner, ländlicher Regionen abgeben. Ich freue mich, daßdiese Tagung mir Anlaß gab, wieder einmal zu schmökern und Gelegen-heit ,,, indirekten" Stadtbildern, wie sie in alpiner Reiseliteratur konstruiertund vermittelt werden, nachzugehen.