Druckschrift 
Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

206

Gunter Dimt

allem die zwischen den Hintergassen und der Stadtmauer aus wehrtechni-schen Gründen freigehaltenen Flächen wurden nun mit Hinterhäusern ver-baut und die Stadtmauern in die Hausaußenwände integriert."

Platz

Vorderhaus

Hof

Stadtmauer

Waidhofen a.d. Ybbs, Haus Unterer Stadtplatz 33,Längsschnitt, Bauaufnahme und Zeichnung G.Dimt

Die sprunghafte Weiterentwicklung der Angriffswaffen machte das ausdem Mittelalter stammende Mauersystem überflüssig und führte zur Ent-wicklung des frühneuzeitlichen bastionären Fortifikationssystems, das inOberösterreich nur in den beiden bis 1779 bayrischen Grenzstädten Brau-nau und Schärding ausgerichtet gegen Österreich voll ausgebaut

war.14

Für die Entwicklung der Städte waren derartig großflächig angelegteBefestigungssysteme von einschneidender Bedeutung. Zunächst mußtenbei der Schaffung der Glacis, Erdwerke und Bastionen die vorhandenenVorstädte geschleift werden, was sich auf die oben erwähnte sozialtopo-graphische Ausrichtung des Stadtgefüges erheblich auswirken mußte.Mindestens ebenso gravierend war aber die fehlende Ausweitungsmög-lichkeit im Innenstadtbereich. Schon die mittelalterlichen Mauern warenfür allfällige Erweiterungen hinderlich, doch bestand immerhin die Mög-lichkeit, von innen und von außen nahe an die Mauer heranzubauen.15 Erstnach der Schleifung der Erdwerke in napoleonischer Zeit kam es zu einerRenaissance der Vorstädte, zu einem sozialtopographischen und baulichenNeubeginn.

Dem oben aufgezeigten, aus Herkunft, Stand und Beruf resultierendenRaster entsprechend, gliedert sich auch die Bausubstanz in durchaus unter-