Gunter Dimt, Linz
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Städtische Strukturen am Beginn derNeuzeit
Das Thema ,, Stadtvolkskunde" war bis vor nicht allzu langer Zeit unterVolkskundlern nahezu tabu und wurde meines Wissens in Österreich nurvon Hans Commenda in größerem Umfang aufgegriffen, der 1958 diezweibändige Volkskunde der Stadt Linz veröffentlichte.'
Daß die„, Urbanen Welten" bisher das Thema primär von Historikern,Archäologen, Kunsthistorikern und Siedlungsforschern waren, wird nichtüberraschen ist doch der städtische Ballungsraum mit dem Sitz derHerrschaft, der Verwaltung, der hohen Geistlichkeit und des Bildungsbür-gertums zugleich die Quelle unserer geschichtlichen, kunst- und kulturge-schichtlichen Informationen. Da bleibt für Volkskundler nur in Randberei-chen Platz so meinte man. Erst neuentdeckte Wissenschaftszweige wiebeispielsweise die Realienkunde des Mittelalters, die Mittelalter- und Neu-zeitarchäologie oder die Arbeitervolkskunde haben gezeigt, daß nicht nurfür Gegenwartsvolkskundler, sondern auch für jene ein immenses Feld anbisher weitestgehend unbeachteten Fakten und Problemen gegeben ist, diesich mit den historischen Wurzeln des Volkslebens in der Stadt beschäfti-gen.2
Im Rahmen dieses kurzen, einführenden Beitrages können nur einigewenige Beispiele aufgezeigt werden, die gleichsam stellvertretend für dasbreite Spektrum volkskundlich relevanter Aspekte stehen sollen.
Die hochmittelalterliche Entstehungsgeschichte des Städtewesens inÖsterreich wird als grundsätzlich bekannt vorausgesetzt³, weshalb der Ein-stieg gleich im ausgehenden 15. Jahrhundert erfolgen soll, jener Epoche,