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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
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Claudia Peschel- Wacha, Wien

,, Lebensbezirk Donaustadt"

Zur Imagebildung eines Wiener Gemeindebezirks

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Jeden Morgen wird ganz Österreich über den Äther mit den Anknüp-fungsproblemen Transdanubiens an Cisdanubien konfrontiert:" Wien-Südosttangente: Stau in Richtung Süden vom Hirschstettner Tunnel überden Stadlauer Tunnel und auf dem Knoten Kaisermühlen bis über die Pra-terbrücke"- so und ähnlich lauten die Meldungen im Verkehrsfunk.

Laut Wiener Bezirksdaten aus dem Jahre 1991 pendelten 76% allerBerufs- und SchulpendlerInnen aus dem nordöstlichen Bezirk aus.' DasProblem, die an der Wiener Peripherie schlafende Bevölkerung verkehrs-mäßig durch die, Flaschenhälse" der vier Donaubrücken nach Cisdanubi-en zu schaffen, ist ein vorrangiges Diskussionsthema von Politikern.Großflächige urbane Projekte wie der Bau der UNO- City, die Anbindungdes Nordostens durch die Ul und weitere U- Bahn Projekte, der Ein-kaufstempel Donauzentrum und geplante Erlebniseinkaufszentren, die ver-hinderte Weltausstellung und die nicht durchführbaren Kulturprojekte inder Donau- City werden lautstark in den Medien diskutiert. Doch rückt derBezirk am linken Donauufer damit näher an die Stadt?

Abends flimmert wieder ein Stück von Transdanubien über den Ätherin die Haushalte ganz Österreichs. Der Kaisermühlen- Blues" steht in derBeliebtheitsskala der österreichischen Fernsehsendungen an oberster Stel-le. Ernst Hinterberger, langjähriger Besucher des Strandbads Gänsehäufel,wählte Kaisermühlen als Dreh- und Handlungsort für seine WienerGeschichten: ein peripherer Bezirksteil- allen Urbanisierungsbestrebun-