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Norbert Fischer, Hamburg
Zwischen Stadt und Land: Zur Topographie
des Suburbanen
I. Lebenswelten am Großstadtrand
Suburbanität üblicherweise werden mit diesem Begriff Hochhaus-siedlungen und Ansammlungen von Reihenhäusern mit abgezirkelten Vor-gärten, Ausfallstraßen und riesige Einkaufszentren assoziiert. Aber dieLebenswelten am Rand der Großstädte sind in den letzten Jahrzehntenbunter und vielschichtiger geworden. Es sind neue Zonen ,, zwischen Stadtund Land" entstanden, die nicht mehr einseitig von der Metropole abhän-gig sind, sondern ihre eigenständige Bedeutung haben. Diese Zonen wer-den für immer mehr Menschen zur Basis einer Lebenswelt, in der die Bin-dung an die Metropole nur noch eine Funktion unter mehreren erfüllt. Diealte Dichotomie von Stadt und Land wird zunehmend aufgelöst. Damiterreicht die Geschichte des Verhältnisses von Stadt und Land- die auchdie Geschichte unterschiedlicher Auffassungen vom ,, richtigen" Lebensstilist² ein neues Stadium.
Ich möchte anhand einer Fallstudie aus dem Großraum Hamburg zei-gen, auf welche Weise und unter welchen Rahmenbedingungen sich dieLebenswelten am Großstadtrand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundertsverändert haben. Der hier verfolgte Ansatz beruht darauf, die Formen derSuburbanisierung anhand des Wandels der topographischen Strukturen zuerforschen.³ Die Prämisse lautet, daß sich Suburbanisierung in der Neu-strukturierung des Raumes materialisiert und auf diese Weise ihre sichtba-ren und überprüfbaren Spuren hinterläßt. So können die neuen Lebens-welten zwischen Stadt und Land in gleichsam objektivierter Form betrach-