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Wolfgang Slapansky, Wien
Walter Benjamin
der Flaneur in der
Urbanität der Moderne
Walter Benjamin, der deutsche Kulturphilosoph, Literaturwissenschaf-ter, Autor, Essayist oder wie auch immer er zu bezeichnen ist, ist wiedermodern geworden. Die Aktualität hat die Arbeit Benjamins nie verloren,doch waren seine Zugänge zu Problemen der Kultur der Moderne bis in diespäten sechziger Jahre verschüttet geblieben. Dies lag wohl daran, daßseine Werke schwer zugänglich und nur fragmentarisch publiziert waren.Erst nach und nach wurden die gesammelten Schriften herausgegeben, diein den neunziger Jahren vollendet wurden.
Erlauben Sie mir ein paar grobe biographische Notizen: Walter Benja-min wurde am Ende des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt 1892, in Berlingeboren. Er stammte aus jüdisch- großbürgerlichem Haus. Sein Vater warTeilhaber eines Auktionshauses, Aufsichtsratsmitglied und Aktionär undhatte Anteile am Berliner Eispalast, der späteren Berliner Scala. Im wohl-habenden Elternhaus, im Umfeld der Salons und der großbürgerlichenGesellschaften wuchs Benjamin auf und viele der bürgerlichen Kindheits-erinnerungen zogen sich durch sein gesamtes Lebenswerk. Hauslieferan-ten und französische Kindermädchen, zwei Sommerwohnungen der Fami-lie und Privatunterricht gemeinsam mit ebenfalls aus wohlhabenden Fami-lien stammenden Kindern prägten seine Kindheit. Er studierte Literatur-wissenschaft, war danach als Übersetzer und Essayist tätig. Seine prekärefinanzielle Situation machte Aufenthalte im billigeren Ausland notwendig,wobei Paris seine zweite Heimat wurde. Er war jüdischer Abstammung,Marxist und Intellektueller, drei Gründe, die ihn zu einem Feindbild der