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Sanja Kalapoš, Zagreb
Zur Stadtkulturforschung in der kroatischen
Volkskunde'
Im Gegensatz zur ländlichen Kultur ist die Stadtkultur ein recht neues,erst seit wenigen Jahrzehnten behandeltes Thema der( europäischen)Volkskunde( n). Dabei waren sowohl der Zeitpunkt des Einsetzens als auchdie untersuchten Inhalte der wissenschaftlichen Beschäftigung mit demUrbanen in den einzelnen nationalen Volkskunden sehr unterschiedlichein Faktum, das von der jeweils herrschenden Definition von„ Kultur“ebenso abhing wie von der( damit im Zusammenhang stehenden) Bereit-schaft, die ,, klassischen" Forschungsfelder des Faches zu überwinden. Indiesem Beitrag soll der Weg eines Teiles der kroatischen Volkskunde hinzu einer„, urban anthropology" verfolgt werden.
Die Entwicklung der Stadtkulturforschung in Kroatien ist von unter-schiedlichen wissenschaftlichen Paradigmen bzw. deren unterschiedlicherInterpretation geprägt- wie ja auch die kroatische Volkskunde insgesamtkein einheitliches Gefüge darstellt, sondern ein Konglomerat aus verschie-denen Richtungen, Schulen und Forschungsmethoden. Generell gespro-chen gab und gibt es in der kroatischen Volkskunde zwei große, ein-ander konkurrenzierende Schulen bzw. Forschungsparadigmen, die sichauch in jeweils eigenen wissenschaftlichen Institutionen etabliert haben.Es gibt einige Gründe, warum es zur Ausbildung dieser beiden Richtungengekommen ist, und ich möchte im folgenden kurz auf die theoretischenund methodischen Ansätze eingehen, deren Berücksichtigung bzw. derenNicht- Beachtung für die Stadtkulturforschungen in der Vergangenheitbestimmend war.