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Herbert Nikitsch
Land durch die Brille des Städters wahrgenommen wird, dann setzt konse-quenterweise bereits ein, was unlängst als die rezente Erfahrung von,, Landritualen in der Stadt" beschrieben wurde 38, und was schon frühbeginnt, etwa in Form jener„ Verdorfung" der Stadt, durch die Wiens,, dünne Decke des Urbanen" 39 in der Zwischenkriegszeit massiv bedrohtworden ist. Doch wenn auch jener volkskundlichen Generation, die derakademischen Etablierung der Volkskunde die Wege gewiesen oder diesedoch zumindest( Stichwort: Laienvolkskundler) flankiert hat, mit jener dasLand von der Stadt aus fokussierenden Binnenethnologie ihrer Vorgängerder erkenntnisleitende Weg vorgezeichnet gewesen ist: beschritten hat siediesen Weg jedoch unter ganz anderen biographischen Vorzeichen.
Wenn man sich die topographische und soziale Herkunft jener ansieht,die diese volkskundliche Honoratiorengesellschaft im weiteren fachlichenBetrieb abgelöst haben, bietet sich auf den ersten Blick ein recht buntesBild. Ich zähle hier nur Beruf und geographische Abstammung der Vätereiniger der in den ersten beiden Jahrzehnten unseres Jahrhunderts gebore-nen Volkskundler( und Volkskundlerinnen) auf: Einen Kärntner Försterfinden wir da, einen Wiener Postler, oberösterreichische und VorarlbergerGymnasialprofessoren bzw.-direktoren, einen Salzburger Bausparkassen-beamten, einen tschechischen Müllermeister, einen Wiener Bauunter-nehmer, einen Salzburger Kaufmann, diverse Staatsbeamten unterschiedli-chen Amtsranges aus Wien, Oberösterreich und Steiermark, einenKärntner Flößer.
Ich muß hier nicht erwähnen, wie waghalsig es wäre, all die gröberenund feineren gesellschaftlichen Unterschiede, wie sie hier beispielhaftdurch das geographisch- sozioökonomische Herkunftsmilieu andeutet sind,auf einen gemeinsamen Nenner bringen zu wollen etwa mit dem Ziel,daraus so etwas wie eine vom entsprechenden sozialen Typus abhängigeArt eines disziplinären Habitus', einer Fachkultur40, einer quasi„, volks-kundlichen Subkultur” zu konturieren. Und daß das umso unmöglichererschiene, je genauer man auf einzelne Biographien eingehen würde, ver-steht sich ebenfalls von selbst. Ich möchte aber dennoch wenigsten zweiAspekte anführen, für die sich in dieser Vielfalt vielleicht doch die nötigegemeinsame Schnittmenge finden läßt.
Zum einen: Diese neue Generation von Volkskundlern kommt, vonrecht wenigen Ausnahmen abgesehen, aus der Provinz in die Stadt. Wobeibei diesem Begriff des Provinziellen neben der rein geographischen