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Urbane Welten : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz
Entstehung
Seite
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Gertraud Liesenfeld, Wien

Stadtvolkskunden.

Zu einem Genre der österreichischen Volkskunde'

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,, Stadtvolkskunden" Wort und Begriff als Haupttitel meinesReferates in den Plural gesetzt, macht bereits deutlich, daß ich einem ganzbestimmten Typus von Volkskunden nachgehen möchte, die, wenn auchzahlenmäßig gering, in unserem Fach oftmals als Klassiker apostro-phiert werden. Gemeint sind jene mittlerweile siebzig bis vierzig Jahrealten, also historischen Publikationen, die allein schon über ihre Titel à la,, Die Volkskunde der Stadt N." als solche erkennbar waren und so auchsuggerierten, eine Synopse aller Kulturerscheinungen in einer jeweilsbestimmten Stadt zu sein. Denn allein über ihre Buchtitel wurde dasKulturgebilde Stadt zum einen als Geschlossenes, als Ganzes, ja sogar alsEinheitliches vermittelt. Zum anderen, so läßt sich interpretieren, signali-sierte die Titelage, es handle sich bei diesen auf das Forschungsfeld Stadtakzentuierten Volkskunden um nahezu zeitlose Sammelwerke, umKompendien geradezu, die im Bedarfsfall einfach und rasch gesuchteAntworten und darüber hinausgehende Informationen zu einer jeweiligenStadt bieten könnten, entsprechend etwa einschlägigen Lexika oder hand-buchartigen Publikationen. Zum dritten schienen infolge der als,, Wissenschaftler" ausgewiesenen Autorenschaft nunmehr die bis dahin alsundurchdringbar begriffenen Pfade des Großstadtdschungels in ein gepfla-stertes, beschriftetes und klar erkennbares Straßen- und Wegenetz gelenkt.Stadtvolkskunden ließen also, nimmt man sie nur von der Plakativität ihrerTitel, in geordneter Stoffdarlegung eine ganzheitliche Betrachtungsweiseder jeweiligen Stadt, ihrer Bewohner und deren Kultur assoziieren sowieeine Fülle von je stadtspezifischen Details erwarten. Es erstaunt daher