Volkskunde- und doch wieder BräucheDas Scheibenschlagen, der Funken- und derHollepfannsonntag¹
Reinhard Johler
,, Die Fülle des volkskundlichen Schrifttums", notierte einmal der Soziologe WernerSombart ,,, übersteigt alle menschlichen Vorstellungen. Begreiflicherweise, da der Stoff derV[ olks] k[ unde] ebenso unbegrenzt ist, wie die Zahl derer, die ihn bearbeiten können undwollen." Was damit in einer Fußnote und zudem noch von einem Fachfremden alsvolkskundliche Fachcharakteristik angemerkt wurde, lohnt der näheren Betrachtung: ,, Fül-le" und ,, Zahl" werden meist nur als Zeichen von sogenannter Stoffhuberei und dilettanti-scher Theorielosigkeit der Disziplin gesehen; doch eine selbstreflexive Befragung dieses,, volkskundlichen Schrifttums" stößt auch auf die volkskundliche Spezifik von ,, Gegen-stand" und ,, Zugang" des Faches- die hier am Beispiel des Funken- und Hollepfannsonn-tags( in Vorarlberg und Teilen Tirols) skizziert werden soll.
Familiäres: Vorarlberger Volkskunde
,, In einem Buch"- so beginnt Richard Beitl einen 1946 in den ,, VorarlbergerNachrichten" erschienenen Artikel über den Schrunser Funkensonntag- ,, hat derBerichterstatter den Funkensonntag im Montafon beschrieben. Als er am letztenSonntag im sinkenden Abend mit seiner Familie dem Schrunserfeld zuschritt, beschli-chen ihn Zweifel, ob er nicht damals, vor neun Jahren, aus der Entfernung undFremdheit der Großstadt und aus Heimweh manches am Bild dieses Brauches verzeich-
1 Auf Einladung von Klaus Beitl habe ich diesen Text bereits am 2. März 1995 im ,, Österreichischen Museumfür Volkskunde" referiert. Damals wie heute wollte damit auch Anerkennung für Klaus Beitl in der spezifischenForm des ,, Funknerdankes" ausgedrückt werden: Der ,, Funknerdank" nämlich wird jenen ausgesprochen, dieetwas ermöglicht oder noch besser, die etwas gefördert bzw. etwas getan haben- so wie etwa Klaus Beitl alsakademischer Lehrer, als Museumsdirektor, als Vereinspräsident.
2 Sombart, Werner: Vom Menschen. Versuch einer geisteswissenschaftlichen Anthropologie. Berlin 1938,S. 441.
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