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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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JOSEF VAŘEKA UND ALENA PLESSINGEROVÁ

Bei tief verankerten Festen, Familientraditionen und Gebräuchen, mit denen sichdas kommunistische Regime keinen Rat wußte, wurde die Form der Transformationgewählt: Das Weihnachtsfest wurde in Feiertage des Friedens und des Beginns einesneuen Fünfjahresplan- Jahres umgewidmet( am ersten Arbeitstag des neuen Jahres, alsoam 2. Januar, wurden die Werktätigen auf den Bahnhöfen bei der Ankunft der Arbei-terfrühzüge und in den größeren Werken mit schnittiger Blasmusik begrüßt). Osternwurde zum Fest des Frühlings und der erwachenden Natur, die übrigen kirchlichenFeiertage aber, allen voran Pfingsten, wurden aus dem offiziellen Kalender einfachgestrichen. Die festliche kirchliche Taufe wurde durch die ,, Begrüßung der neuenErdenbürger" auf dem Rathaus oder dem Gemeindeamt ersetzt, die von Auftritten vonPionieren begleitet wurde und unter Teilnahme von Vertretern der Betriebe stattfand,in denen die Eltern beschäftigt waren. Die romantische kirchliche Hochzeit mit derweißgekleideten Braut mit Schleier( sog. Weiße Hochzeit) wich der Hochzeit auf demStandesamt mit den Brautleuten im Blauhemd der Jugendorganisation( sog. ČSM-Hochzeit) in Anwesenheit von Genossen aus der Folkloregruppe oder der Brigade dersozialistischen Arbeit. An der Teilnahme der Eltern und Verwandten war wenigergelegen. Interessant ist auch, die Transformation einiger vor allem lokaler Feste zuverfolgen: Beispielsweise den alten Pfingstbrauch des Königsritts, aber auch dasErntedankfest oder sogar den Fasching( der wurde übrigens aus Arbeitsgründen auffreie Wochenenden verlegt), die angesichts ihres unreligiösen Inhalts neben demAufrichten( ,, Stecken") und Einholen bzw. Stehlen des Maibaums und der Verbren-nung der Hexen am letzten Apriltag relativ am besten ,, davonkamen".( Die Jahresfeuerin der Philippi- und Jakobinacht- vergleichbar mit den Sonnwendfeuern in der Johan-nisnacht verwandelten sich in ,, Friedensfeuer.)

Bei einigen Gebräuchen gelang es den Behörden trotz aller Anstrengungen nicht,diese Transformation durchzusetzen. Dazu gehören vor allem der Umzug des heiligenNikolaus, Bescherungen und Nikolaustanzveranstaltungen. Auch das Bringen derGeschenke vom hl. Nikolaus und Christkind wollte man durch ,, Großväterchen Frost"ersetzen: Diese russische Figur wurde in den Schulen, gesellschaftlichen Organisatio-nen und im öffentlichen Leben eingeführt, aber beim ersten politischen Tauwetterkehrten das Christkind und der alte gute heilige Nikolaus sofort überall wieder zurück.In den letzten Jahren vor der Wende 1989 dachte wohl schon niemand mehr anGroßväterchen Frost. Die künstliche Einführung des Großväterchens Frost oder desweihnachtlichen sog., Jolkafestes" bedeutete den Versuch der Implantation von Ele-menten des Brauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtums fremder und entfernter Länder in die böhmischen Advents-und Weihnachtsbräuche zu Lasten der eigenen Volkstradition. Den neuen Sinn desWeihnachtsfestes bekam das Volk 1954 vom zweiten ,, Arbeiterpräsidenten, AntonínZápotocký, gedeutet. Zápotocký erklärte nämlich in seiner Weihnachtsansprache, wir

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