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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
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,, Mutter der Schönen Liebe". Zur Geschichte undIkonographie eines lange als verschollen geglaubtenbarocken Grazer Marien- Gnadenbildes

Elfriede Grabner

Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale, wie es der römische Dichter TerentianusMaurus am Ende des 3. Jahrhunderts in einem spätantiken Lehrgedicht in lateinischerSprache zu wissen glaubte. Auch Bilder können ähnliches erfahren, vor allem, wennsie lange als verschollen gegolten und dann plötzlich, durch eine glückliche Fügung,nach langjähriger Verborgenheit an einem gar nicht vermuteten Ort wieder aufgefundenwerden. Am Beispiel eines solchen wiedergefundenen Barockbildes lassen sich histo-rische Zusammenhänge und ikonographische Fakten überzeugend darlegen.

In meiner langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit am Steirischen Volkskunde-museum habe ich sehr oft und immer wieder gerne auch die benachbarte, in die beidenMuseumstrakte eingeschlossene Antoniuskirche aufgesucht, die zum ehemaligen, um1600 gegründeten und 1783 durch Joseph II. aufgehobenen Kapuzinerkloster St. Antonvon Padua ,, auf der Stiegen" gehörte. Zur Kirche und zum Klostertrakt führte einstmalseine mächtige, überdachte Holzstiege, an deren Fuße das oft erwähnte ,, Klosterkreuz",das ,, bekannte Zeichen dieses Ordens" stand. Es sollte an jene Stelle erinnern, an deram 8. August 1600 über 10.000,, ketzerische" Bücher auf acht Wagen vor das altePaulustor geführt und hier am Fuße des Schloßberges verbrannt wurden. Laurentiusvon Brindisi( 1559-1619), der 1783 selig- und 1881 heiliggesprochene Kapuziner,weilte in einer erregten Zeitperiode einige Male in Graz und hat durch die Errichtungeines Ordensbaues der Kapuziner in die religiöse Bewegung der Gegenreformationnachhaltig eingegriffen. Als sichtbares Denkmal seiner einstigen Wirksamkeit stehennoch jene Gebäude am Fuße des Schloßberges, die von ihm im Jahre 1600 als erste

I Bei diesem ,, Klosterkreuz" handelt es sich vermutlich um ein Holzkreuz, an dem neben den sogenannten armaChristi auch die zwei gekreuzten Arme mit roten Wundmalen- der Arm Christi und jener mit einemKuttenärmel bedeckte des hl. Franz von Assisi angebracht waren. Die nach der Regel des hl. Franziskus lebendenOrden( Minoriten, Franziskaner, Kapuziner) tragen diese Embleme auch heute noch in ihrem Wappen.

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