Vom Berufe des Papalagi und wie er sich darin verirrt¹
Eva Julien- Kausel
Einleitung
Klaus Beitl war schon immer jemand, der neuen Tendenzen im Fach aufgeschlos-sen gegenüberstand. Nicht nur in der Nachfolge von Leopold Schmidt als Leiter desInstituts für Gegenwartsvolkskunde stellte er dies wiederholt unter Beweis, sondernseine wissenschaftliche und menschliche Neugier, im besten Sinne des Wortes, und eingewisses Draufgängertum sind seine Charakteristika bis heute geblieben und haben esihm erlaubt, über fachliche, sprachliche, nationale Grenzen souverän hinauszugehen,seine Mitarbeiter mit seinem Enthusiasmus anzustecken und sie zu ermutigen, neueThemen und Methoden aufzugreifen. In diesem Sinne sei ihm der vorliegende Artikel,eine ethnographische Feldforschung im ,, Dschungel" eines modernen Unternehmens,gewidmet.
Sind etwa die Arbeiterkultur oder soziale Randgruppen längst ein fester Bestand-teil gegenwärtiger Forschungen, hat sich die Volkskunde im Bereich der Büros bishereher auf spezielle Phänomena( Erzählungen, Witze, Xeroxlore etc.) oder auf historischePerioden beschränkt. Erst langsam beginnen sich die Ethnologen darauf zu besinnen,daẞ in Europa heute der Großteil der arbeitenden Bevölkerung dies in Büros tut, Papierund Kugelschreiber, Computer und Telefon zu den wichtigsten Arbeitsutensilien desmodernen Menschen geworden sind.²
Noch besteht eine gewisse Scheu davor, dieses Neuland zu betreten, in welchemder Wissenschaftler- Student oder ,, gestandener" Forscher- seine Position erst suchen
1 Die Auswahl des Titels und der Untertitel erfolgte in Anlehnung an: Der Papalagi. Die Reden des Südsee- Häupt-lings Glossar ::: zum Glossareintrag lings Tuiavii aus Tiavea. Zürich 1983.
2 Vgl. den kürzlich erschienenen, inhaltsreichen Katalog: Work& Culture. Büro. Inszenierung von Arbeit.Klagenfurt 1998(= Kataloge des Oberösterreichischen Landesmuseums, N.F. 128).
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