Sach- und Wortforschung auf gemeinsamen Wegen imalpinen deutsch- romanischen Grenzraum an Hand derSammlungen des Österreichischen Sprachinselmuseums
Maria Hornung
Unserem Jubilar Klaus Beitl ist es zu danken, daß in den Jahren 1997/1998 durcheine vom Österreichischen Museum für Volkskunde unter der Ägide von Franz Gries-hofer dem Österreichischen Sprachinselmuseum zur Verfügung gestellte Fachkraft,Frau Mag. Marion Stadlober- Degwerth, eine Datenbank über die hier vorhandeneObjektsammlung erstellt wurde. Neben der Fülle anderen Sammelgutes, der Spezial-bibliothek, den Bildern, Büchern, Tonbändern und Dias ist die Objektsammlung voneinigen hundert Stück scheinbar nur Nebensache und ,, Aufputz". An Hand einzelnerdieser Objekte lassen sich jedoch recht interessante Beobachtungen im Netzwerk derKultur- und Sprachberührungen z.B. im romanisch- deutschen Grenzgebiet der Ostal-pen anstellen. Einige wenige Beispiele sollen zum Zeichen der Dankbarkeit gegenüberunserem Jubilar hier angeführt werden.
Unternimmt man einen kleinen Spaziergang durch die Sprachinseln Pladen/ Sap-pada, Zahre/ Sauris oder Tischelwang/ Timau im karnischen' Großraum, so sieht manimmer wieder neben einem Haus- oder Stalleingang ein großes bauchiges Steingefäßaus Granit, in dessen obere Öffnung manchmal ein Blumenstock zur Zierde einge-pflanzt ist. Diese Steingefäße- das Objekt aus Tischelwang im Sprachinselmuseum ist29 cm hoch und 42 cm breit- dienten früher zur Aufbewahrung des Butterschmalzesund wurden mit einem Holzdeckel verschlossen im Keller aufbewahrt.
Das im Keller in einem solchen schweren Steingefäß monatelang haltbare Butter-schmalz war der wichtigste Fettlieferant in diesen Hochgebirgsgebieten mit intensiver
1 Pladen/ Sappada liegt im Quellgebiet des Piave knapp nach der Grenze der Provinz Udine schon in der ProvinzBelluno, jedoch im Bereich der karnischen Alpen mit dem Hochweißstein/ Monte Peralba( 2693) als höchsterErhebung; Zahre/ Sauris befindet sich zwei Talschaften südlicher von Pladen und Tischelwang/ Timau amSüdfuß des Plöckenpasses in der zur Provinz Udine gehörenden Carnia. Es ist in der Linguistik üblich, hier vonden ,, karnischen Sprachinseln" zu sprechen.
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