Burgenländische Baukultur im Spannungsfeld zwischenRegionalismus und Globalisierung
Vera Mayer
Die burgenländische Baukultur wurde in den letzten fünfzig Jahren einem starkenWandel unterzogen. Diese Veränderungen waren im Burgenland besonders heftig, dadie Eingriffe in die traditionelle Bau- und Wohnkultur in dieser peripheren Region nachdem Zweiten Weltkrieg viel stärker waren als in den wirtschaftlich prosperierendenRegionen und solchen, die sich in der Nähe von wirtschaftlichen und kulturellenZentren befanden, wo die Urbanisierung daher viel früher eingesetzt hatte. So habe ichEnde der achtziger Jahre während meiner Forschungen im Burgenland, die, weißenDörfer mit ihren Giebelhäusern, die der österreichische Architekt Roland Rainer nochin den sechziger Jahren bewunderte, nicht mehr vorgefunden.' Die Betrachtung derburgenländischen Baukultur im Spannungsfeld zwischen dem Regionalismus und derGlobalisierung, bzw. Internationalisierung ist einer der wichtigen Aspekte dieses radi-kalen Wandels.
I. Eckdaten zum Wandel der Bau- und Wohnkultur im Burgenland
Gebäude und Wohnungsbestand
Die sozioökonomischen Veränderungen und die schlechte Bausubstanz führtendazu, daß wir im Burgenland, im Vergleich zu den anderen Bundesländern, einenextrem jungen Gebäude- und Wohnungsbestand haben: 76% aller Gebäude und 77%aller Wohnungen wurden nach 1945 erbaut oder total umgebaut.² Der Anteil der nach
1 Rainer, Roland( Leitg.): Anonymes Bauen im Nordburgenland. Salzburg 1961; Mayer, Vera: Burgenland. Bau-und Wohnkultur im Wandel. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Wien 1993.
2 Häuser und Wohnungszählung 1991. Hauptergebnisse Burgenland(= Beiträge zur Österreichischen Statistik,1.040/ Heft), hg. vom ÖSTAT. Wien 1992, Textteil S. 27.
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