Schränke mit trapezförmigen GiebelnGedanken zu einem Beispiel von Kulturwanderung
Klára K. Csilléry
Im folgenden möchte ich versuchen, einige Gedanken zu formulieren, welchewährend der Betrachtung eines bestimmten Objekttyps aufgetaucht sind. Die Exem-plare dieses Objekttyps, eines mit einem eigenartigen, trapezförmigen Giebel versehe-nen Schrankes, findet man in Österreich ebenso( Abb. 1) wie in Ungarn( Abb. 2-4).Der Ursprung des Typus ist schon geklärt. Es war Leopold Schmidt, der anhand der mitsolchen geraden nach oben gebrochenen Aufsätzen versehenen bemalten niederöster-reichischen Kamptaler Weichholzschränke den Nachweis erbrachte, daß diese durchden sich weit nach Süden erstreckenden Einfluß der Giebelbildung von norddeutschenBehältnismöbeln aus Hartholz enstanden sind.' Daß hingegen dieser durch seinenauffallenden Giebel gekennzeichnete Schranktyp auch östlich von Österreich, in West-Ungarn ebenfalls heimisch wurde, 2 machte Klaus Beitl den österreichischen Lesernbewußt, als er bei der Charakterisierung eines Exemplars aus der Umgebung von Zwettlauch die Verbreitung des Typus in den Nachbarländern aufzeichnete.³
Schon die von Leopold Schmidt sowie von Klaus Beitl erwähnten österreichischenSchränke sind relativ spät. Sie stammen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts undeinige Exemplare aus Dörfern in Ungarn sind sogar jüngerer Herkunft. Besteht für uns
1 Schmidt, Leopold: Farbige Volksmöbel in Niederösterreich. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich36/ II( 1964), S. 828-831. Ders.: Volkskunde von Niederösterreich. Bd. 1. Horn 1966, S. 330. Ders.: Bauern-möbel aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz. Wien- Hannover 1967, S. 143.
2 K. Csilléry, Klára: A Bútor és Világítóeszköz gyűjtemény( Die Sammlung Möbel und Beleuchtungsgeräte). In:Ifj. Kodolányi, János( Red.): A Néprajzi Múzeum 1963-1964. évi tárgygyűjtése( Sammeltätigkeit des Ethno-graphischen Museums, 1963-1964). In: Néprajzi Értesítő XLVII, 1965, S. 224, 282, Abb. 60; Dies.: Bútor-művesség( Möbelherstellung). In: Domonkos, Ottó( Red.): Magyar Néprajz III. Kézművesség( UngarischeVolkskunde III. Handwerk). Budapest 1991, S. 516; Dies.: A Csornai Múzeum fekvő kis Jézusos szekrénye( Der Jesuskind- Schrank des Csornaer Museums). In: Szalontay, Judit( Red.): Tárgy és jelentése. Rábaközitanulmányok( Objekt und seine Bedeutung. Essays aus der Rábaköz). Csorna 1998, S. 48-50.
3 Beitl, Klaus: Landmöbel. Zeugnisse alter Handwerkskunst. Salzburg 1976, Taf. 41.
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