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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
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Zur Geschichte des TorawimpelsStudien und Bemerkungen aufgrund vonZeitungsanzeigen

Bernward Deneke

,, Fabric of Jewish life" war der Titel einer Ausstellung, mit der das Jewish Museumin New York 1977 einen Überblick über Umfang, Vielfalt und Bedeutung von Textilien imjüdischen Ritual bot. Die gewebten, bestickten, bedruckten und bemalten Zeugnisse derFrömmigkeit wurden damals in vier Gruppen vorgestellt. Diese umfaßten Textilien aus denSynagogen, Textilien, die beim Gebete Verwendung fanden, also vornehmlich Gebetsmän-tel nebst den auf diese aufgesetzten Tressen und Beutel für die Gebetsriemen, Textilien, diebei den Feiern des Lebenskreises gebräuchlich waren und schließlich Textilwerk, das fürden Sabbat, für die Festtage und Festzeiten des Jahres bestimmt war. Viele der vorgestelltenSachzeugen kennzeichnen ihren einstigen Zusammenhang durch Inschriften oder durchbildliche Darstellungen.' Unter diesen mit Texten und Bildern versehenen Ritualien weisendie Mappot, die Wimpel, gleich in zwei Bereiche: Sie entstanden als Erinnerungsstücke andie fromme Handlung der Zirkumzision aus den Beschneidungswindeln, sind demnachalso Zeugnisse aus dem Lebenszyklus und wurden als solche in die Synagoge übernommen,um dort zum Umwickeln der Torarolle zu dienen.

Das Wort, mit dem die Mappa in der deutschen Sprache bezeichnet wird, verwen-det, wie aus dem Grimmschen Wörterbuch ersichtlich, Wimpel noch in der altenGrundbedeutung von Tuch, Schleier, Binde. Bei der Herstellung wurde die Beschnei-dungswindel in Streifen zerschnitten und diese dann zu einem, meist aus vier Teilenbestehendem Band zusammengenäht. Das Band erhielt eine Inschrift, die den Namendes Knaben, seines Vaters, den Geburtstag nennt und daran den formelhaften Segens-wunsch ,, er möge heranwachsen zur Tora, zur Chuppa( zur Ehe) und zu guten Werken"anschließt. Der Knabe bringt bei seinem ersten Besuch in der Synagoge, im Alterzwischen einem und drei Jahren, den Wimpel in das Gotteshaus, wo er, wie erwähnt,

1 Kirshenblatt- Gimblett, Barbara, Cissy Grossmann( Bearb.): Fabric of Jewish life. Textiles from the JewishMuseum Collection. Vol. 1. New York 1977.

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