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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
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RAINER ALSHEIMER

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Stühle, Schränke( bei deren Anblick mich die Erinnerung an die Inszenierung einholt),Transportmittel und-geräte, Fotos, Uhren- und breche bei der Völkertafel ab33. Ichüberlege, daß dieses Museum mit seiner einfachen Inszenierung vorindustriellerObjekte sich sicher eignen würde, auch ins Internet geladen zu werden, aber auch,daß hier vielleicht ein Ort ist, der der Digitalisierung widerständig sein könnte: Ort derzerbrochenen volkskundlichen Sammlungsform, welche ethnisch- stammeskundlichesDenken als stillgestellte Realität konstruieren wollte. Und Versuche der Dekonstruktioneiner Wissenschaft Volkskunde, die über all das in der Kultur hinwegsah, was mit derfortschreitenden Modernisierung in enger Beziehung stand, und was damit technisch-und wie ich zeigen wollte auch im Ansatz virtuell war. Ich sehe Abbildungen vonBruchstücken einer Kultur, die sich bewegt hat, weil ihre Träger, die damaligenMenschen, sich bewegen mußten³4.

Beim Nachdenken über die, Inszenierungen kultureller Vielfalt" 35, nicht nurheute, sondern auch in der Gründungszeit des Österreichischen Museums für Volks-kunde, überkommen mich aber auch hybride Wünsche. Ich würde dieses Museum gerneausgestattet sehen mit virtuellen Inszenierungen anderer zerbrochener Realitäten: etwamit einem ,, Multi User Dungeon", einem Mehrbenutzerspiel, in welchem nach denGesetzlichkeiten der Strukturalen Anthropologie des Lévi- Strauss 36 das Leben in einemTiroler Bergbauerndorf gelenkt wird, beispielsweise ein Dorf im Zeitalter des 19.Jahrhunderts und dessen Agrartechnisierung. Oder ich wünsche mir eine digitaleInszenierung der Stadtgeschichte Wiens und des Umgangs zwischen Einheimischen,Fremden und Minderheiten in dieser Stadt als Gegenwelt zur reinen Ethnogeschichte,wie sie unsere Vorgänger so gerne geschrieben haben. Und ich denke daran, wieaufschlußreich es für Besucher des Museums sein könnte, wenn dort Terminals aufge-stellt würden, damit sie aus dem Museum über Internet andere Museen besuchenkönnten. Dabei könnten virtuelle und sonstige Realitäten und Dinge so eng zusammen-gerückt werden, daß unterschiedliche Ebenen nicht mehr erkennbar sind. Globalemultikulturelle Lebensformen hätten ihre adäquate Musealisierung gefunden: Vermi-schung der verschiedenen Darstellungsstile als Ausdruck hybrider Kulturen³7.

33 Hierzu kürzlich: Stanzel, Franz K.: Europäer. Ein imagologisches Essay. Heidelberg 1997.

34 Vgl. hierzu den aufschlußreichen Tübinger Habilitationsvortrag von Welz, Gisela: Moving Targets, Feldfor-schung unter Mobilitätsdruck. In: Zeitschrift für Volkskunde 94( 1998), S. 177–194.

35 Vgl. hierzu Welz, Gisela: Inszenierungen kultureller Vielfalt(= Zeithorizonte. Studien zu Theorien undPerspektiven Europäischer Ethnologie, 5). Frankfurt am Main u.a. 1996.

36 Vgl. Lévi- Strauss, Claude: La pensée sauvage. Paris 1962 u.a.

37 Hierzu: Bronfen, Elisabeth, Benjamin Marius, Therese Steffen( Hg.): Hybride Kulturen. Beiträge zur anglo-amerikanischen Multikulturalismusdebatte. Tübingen 1997.

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