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Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
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Volkskunst

Ästhetische Anschauungen oder Thesen zu einem

Wahrnehmungsproblem*

Wolfgang Brückner

Meine Stichworte lauten: Farbe und Form, letzteres unterteilt in Stil und Orna-ment. Ich befasse mich also vornehmlich mit strukturalen Kategorien, weil es ingegenwärtigen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen um Diskussionspunkte dermusealen Zuordnung, der optischen Erfahrbarkeit und der mitteilenden Präsentationgeht. Dennoch lassen sich die uns Volkskundlern besonders interessierenden funktio-nalen Aspekte des Umgangs mit den Dingen nicht vernachlässigen. Ihr Sitz im Lebenist das vordringliche Erkenntnisziel der Kulturwissenschaften. Begriffe wie ,, Volk" und,, Kunst" besitzen hingegen keine analytische Kraft mehr, erscheinen uns vielmehrverdächtig als Schreibtischkonstrukte oder Ideologien. Ganz auslassen darf ich daherdie in der Forschung seit einem halben Jahrhundert völlig überwundenen Spekulationenzum angeblich tradierten Bedeutungsgehalt vorgestellter Inhalte, aber auch formalerVerwandtschaften von Dingen über Zeiten und Kontinente hinweg. Letztere gehen, wiewir heute wissen, in aller Regel auf technische Voraussetzungen verwandter Herstel-lungsprozesse zurück.

Etwas anderes stellt die Erkundung der historisch begründbaren, epochenspezi-fischen und regionaltypischen Bedeutungsebenen der bildungsmäßigen Erfahrbarkeitvon Bilderwelten dar, also das, was die Kunstgeschichte Ikonographie nennt oder dieübrigen Kulturwissenschaften visuelle Kommunikation mit Hilfe der imagerie popu-laire und wandelbarer Zeichensysteme. Diese Sprache der Bilder, Gebärden, Beklei-dungen bleibt in meinen Ausführungen außen vor. Ich spreche vornehmlich von Farbe

* Das Manuskript ist aus zwei unterschiedlich akzentuierten Vortragswünschen bestimmter Anlässe von aktuellenDiskussionen an den Museen in Schleswig und Innsbruck des Jahres 1998 entstanden und daher in unterschied-licher Länge, Fassung und bildlicher Illustration auf den beiden Symposien zur Diskussion gestellt worden. DerGesamttext eignet sich darum gut als Hommage für einen ehemaligen Museumsdirektor, zumal Klaus Beitlmeine eigenen, bebilderten Vorstudien dazu kennt und also vorlieb nimmt mit einer einzigen Abbildung zumausführlichen Einleitungskapitel und dem Verweis auf das generelle Literaturverzeichnis.

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