VOM SCHUTZENGEL AUS GIPS ZUM MUSEUM ALS BÜHNE
bißchen sterben, als würde sein ,, Denkmal Sammlung" demontiert, ja als würde dieSelbstinszenierung einer möglichen lokalen Unsterblichkeit¹8 empfindlich deformiert.In der Zwischenzeit jedoch haben sich die Sammelinteressen insofern systematisiert,als er nunmehr relativ gezielt vornehmlich jene Gegenstände aufgreift, die der Ergän-zung von bereits bestehenden Themenbereichen dienen oder aber dem Konzept fürdas nach wie vor im Ausbau befindliche Museum entsprechen. Damit sind die Verlu-sterfahrungen auch seltener geworden.
Mittlerweile ist das Museum zu einem stattlichen Freilichtmuseum- allerdingsnicht im Sinne wissenschaftlicher Hausforschung 20- auf einer Gesamtfläche von rund6.100 m² geworden beziehungsweise ,, komponiert" 21. Es ermöglicht einen Einblick inden dörflichen Alltag und in das bäuerliche Leben der Bewohner des Seewinkels bzw.des Heidebodens. Entsprechend wird auch eine künftige Museumsbezeichnung diesemgroßräumigeren Bezug Rechnung tragen. Die zeitliche Eingrenzung verläuft von derWende des 19. zum 20. Jahrhundert bis in die frühen sechziger Jahre als jener Phaseder tiefgreifenden ökonomischen und soziokulturellen Veränderungen, die schließlichdie althergebrachten dörflichen und gesellschaftlichen Strukturen aufbrechen ließen.Bis dahin gaben die Bauern den Ton an, das alltägliche Leben war nach den bäuerlichenJahres- und Tagesrhythmen sowie dem bäuerlichen Normen- und Wertesystem ausge-richtet. Auch die übrigen Dorfbewohner füllten ihren ihnen zugestandenen Platzinnerhalb des gesellschaftlichen Gefüges aus. Die unterschiedlichen Alltage all dieserMenschen, ihre Möglichkeiten der Existenzsicherung, ihre Kommunikationsformen,Beziehungen und Abhängigkeiten, ihr öffentliches und privates Leben sind der Er-
18 Vgl. Köstlin, Konrad: Ums Lebens sammeln. In: Köstlin, Ums Leben sammeln( wie Anm. 15), S. 7-15, hierS. 10.
19 Erste diesbezügliche Gespräche gab es im November 1993, als es darum ging, das thematische Feld derInventarisation abzustecken. Die Konzepterstellung mußte sich zwangsläufig am vorhandenen Objektbestandorientieren. In den Folgejahren wurden in kontinuierlich geführten Besprechungen zwischen dem EhepaarHaubenwallner, meiner Person und fallweise auch unter Beiziehung von Hans Lunzer, BurgenländischesVolksbildungswerk, die jeweils weiteren Vorgehensweisen festgelegt.
20 Der Errichtung der Museumsgebäude erfolgt nicht durch exakte Translozierung, sondern zumeist durchmaßstabsgetreuen Nachbau mit zum Teil auch derzeit gängigen Baumaterialien. Zur Hausforschung im Sinnevon ,, Hausarchiven" vgl. u.a. Bedal, Konrad, Kilian Kreilinger( Hg.): Freilichtmuseum und Hausforschung.Symposium 30. und 31.7.1981 in Bad Winsheim(= Kleine Schriften des Fränkischen Freilandmuseums, 2).Bad Winsheim 1981.
21 Zu Freilichtmuseen als Bilderprodukte selbst, nicht bloß als Bilderproduzenten vgl. Köstlin, Konrad: Freilich-museums- Folklore: In: Ottenjann, Helmut( Hg.): Kulturgeschichte und Sozialgeschichte im Freilichtmuseum.Historische Realität und Konstruktion des Geschichtlichen in historischen Museen. Referate der 6. Arbeitsta-gung der Arbeitsgruppe ,, Kulturgeschichtliche Museen" im Museumsdorf Cloppenburg- NiedersächsischesFreilichtmuseum. Cloppenburg 1985, S. 55-67, hier S. 57.
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