ROSWITHA ORAC STIPPERGER
Modernisierungsbestrebungen bis hin zum vorliegenden inhaltlichen Konzept, demPlanungsstand im Spätherbst 1998.
Das ,, Steirische Volkskundemuseum", die volkskundliche Abteilung des Steier-märkischen Landesmuseums Joanneum, im ehemaligen Kapuzinerkloster in der GrazerPaulustorgasse seit 1913 untergebracht, befindet sich annähernd gleich lange wie dasMuseum in der Laudongasse in Wien in einem Umstrukturierungs- und Neuplanungs-prozeß mit dem gravierenden Unterschied, daß die Phase der Umsetzung für die GrazerSammlung erst unmittelbar bevorsteht. Es ist jenes Haus des Joanneums, das unter allenStandorten am längsten in Sanierungs- und Neugestaltungsmaßnahmen verstrickt istund aus diesen Gründen seit dem Jahr 1986 über keine zugängliche Schausammlungmehr verfügt. Bis in die frühen achtziger Jahre gehen die ersten Überlegungen zu einerGeneralsanierung des Gebäudekomplexes und zur Neugestaltung der Schausammlungzurück. Erst seit rund drei Jahren zeichnet sich ein klarer Weg in die Zukunft desSteirischen Volkskundemuseums ab.
Die Arbeitspapiere und Konzeptfragmente, die sich im Laufe von eineinhalb Jahr-zehnten angesammelt haben, spiegeln die ganze Bandbreite museologischer Diskussionund Entwicklung in diesem Zeitraum wider. Sie sind Beispiel für die wechselnden volks-kundlichen Sichtweisen und zeugen nicht zuletzt von einem wieder zunehmenden Selbst-bewußtsein der Volkskunde innerhalb der Kulturwissenschaften und von einer bewußtenHinwendung zu der in mehr als acht Jahrzehnten gewachsenen Sammlung des Hauses.
Als mit 1. Jänner 1981 Maria Kundegraber als Leiterin des Museums bestelltwurde, geschah dies bereits unter dem Aspekt, das Haus in der Paulustorgasse einernotwendigen Sanierung zu unterziehen und auch die in ihren ,, modernsten" Teilen seitrund dreißig Jahren unveränderte Schausammlung zu erneuern. Im Vordergrund standdamals eher eine Verbesserung des internen Betriebes, da vor allem bei Depots undWerkstätten sowie auf anderen infrastrukturellen Gebieten großer Aufholbedarf be-stand. In den Schauräumen erfolgten zunächst nur punktuelle Renovierungsmaßnah-men bei laufendem Museumsbetrieb wie die Neuausstattung von vorhandenen Vitrinen,Erneuerung von Beschriftungen und anderen Details ohne inhaltliche Veränderung.Parallel dazu begannen erste Überlegungen zu einem neuen Museumskonzept. ÜberAuftrag von Joanneumsdirektor Friedrich Waidacher, selbst Volkskundler und aner-kannter Museologe, lag die Aufgabenstellung in der Schaffung einer integriertenSchausammlung, bei der Jahrlauf und Lebenslauf strukturbildend sein sollten.' Diese
1 Vgl. dazu Orac- Stipperger, Roswitha: Lebenslauf und Jahrlauf. Entwurf eines Konzeptes für eine integriertevolkskundliche Schausammlung. In: Landesmuseum Joanneum, Jahresbericht 1983. Graz 1984, S. 155-158.
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