Druckschrift 
Netzwerk Volkskunde : Ideen und Wege ; Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

Griechen im Wien des 19. Jahrhunderts

M. G. Meraklis

In der österreichischen Hauptstadt- wegen ihrer geographischen Lage auch als,, Pforte" zwischen Balkanraum und Mitteleuropa bezeichnet'- begegnen einander zuBeginn des 19. Jahrhunderts( aber auch schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhun-derts) alle Völker Südosteuropas und alle Strömungen, die sie vertreten haben, inZusammenhang mit dem Wunsch und dem Bestreben, das Jahrhunderte währendetürkische Joch abzuwerfen. Diese spezifische Funktion Wiens als ein solches Zentrumist sicherlich auch in Verbindung mit den Interessenswahrnehmungen der Habsburger-Monarchie auf der Balkanhalbinsel und im Mittelmeer zu sehen².

Die Griechen zählen unter den Balkanvölkern in Wien zu den zahlreichsten³, sodaß sie eine eigene Gemeinde bilden, wohlhabend und aktiv, und zwar in einemzweifachen Sinn: sowohl in ökonomischer wie auch in geistiger Hinsicht; und auf eineWeise, daß die beiden Sektoren ineinander übergehen: die Diaspora- Griechen dieserEpoche huldigen dem altgriechischen Hermes, der in bedeutsamer Fügung in dergriechischen Mythologie sowohl als Gott der Gelehrsamkeit( ,, Logios") als auch desProfits( ,, Kerdoos") galt( vgl. in der Folge).

Die Transaktionen des Handels zwischen der Monarchie und dem Osten, der nachden Friedensverträgen und den Handelsabkommen mit gegenseitigen Zollbeschrän-

1 Vgl. Laios, Georgios: Έρευνα εν τοις αρχείοις της Βιέννης και του Μονάχου προς μικροφωτογράφησινεγγράφων αφορώντων εις την νεωτέραν ελληνικήν ιστορίαν. In: Πρακτικά της Ακαδημίας Αθηνών 37( 1964), Athen 1965, S. 556.

2 Ebd., S. 555 f.

3 1760 zählte die griechische Gemeinde 300 Mitglieder. Nach 20 Jahren hatte sich diese Zahl verdoppelt. Nacheiner Angabe von D. Philippidis und Gr. Konstantas, den bekannten Autoren der griechisch verfaßten. ,, NeuerenGeographie", die 1791 in Wien gedruckt wurde ,,, befinden sich auf österreichischem Boden mehr als 80.000griechische Familien aus der Türkei( dem türkenzeitlichen Griechenland)"( Ü.d.A. wie auch in der Folge). Unddie Gemeinde wuchs auch weiterhin ständig an. Vgl. Laios, Georgios: O ελληviкóç τúлоç τηs Biévaлóτου 1784 μέχρι του 1821. Athen 1961, S. 6-7.

143